Kalenderblatt für den 24. Dezember


Schwul

Alan Turing wurde am 24. Dezember 2013 von Königin Elisabeth II. „begnadigt“. Was wie Gnade klingt, ist allerdings eigentlich eine dringend notwendige Entschuldigung.

Kalenderblatt Bild24. Dezember – Kalenderkunde
Statue von Turing an der University of Surrey

Zucken sie noch bei dem Wort schwul? Sollte doch eigentlich nicht mehr sein. Die Generation vor uns hat deswegen noch zu ziemlich drastischen Maßnahmen gegriffen. Aber dazu später.

Mr. Turing war, laut Geschichte, schon als Kind genial. Er brachte sich selbst innerhalb von drei Wochen das Lesen bei und liebte Rätsel. Entsprechend locker lernte er in Sachen Naturwissenschaften und durchlief die Schulen entsprechend leichtfüssig. Einzig die Versuche, ihn für die Geisteswissenschaften zu begeistern, scheiterten. Er liebte die Mathematik und die Logik. Daher war sein Notendurchschnitt eher mäßig gut und er kam auf das Kings College statt nach Cambridge.

Letztlich tat es seinen Forschungen kaum Abbruch. Er betätigte sich hauptsächlich im Gebiet der theoretischen Informatik. Rechenmaschinen waren noch gänzlich im Anfangsstadium, von Computern zu sprechen wäre eher vermessen. Aber die grundsätzlichen Probleme sind die selben wie heute.

Er konnte die Mechanismen einer Rechenmaschine auf ein Minimum herunterbrechen. Stellen sie sich vor, sie hätten ein (unendliches) Band aus Papier. Davor sitzt ein Schreib-Lesekopf. Entweder der Kopf schreibt ein Zeichen oder er liest eines. Je nachdem, was für ein Zeichen der Kopf liest, passieren Dinge. Entweder der Streifen wandert einen weiter oder es wird was geschrieben usw. Jedenfalls konnte man so in der Theorie logische Probleme nachstellen. Das klingt zwar albern aber mit einer echten Menge an Schritten ließen sich so definitiv sogar Schachprobleme abbilden. Was heutzutage insofern wichtig ist als das sich junge Studenten mit diesen Ideen herumplagen müssen um überhaupt Computer bzw. Algorithmen verstehen zu können.

Später formulierte er den sog. Turing-Test, der auch in unserer Zeit immer mehr zum Thema wurde. Dabei geht es darum, festzustellen ob eine Maschine über echte bzw. künstliche Intelligenz verfügt. Dafür unterhält sich ein Fragesteller per Tastatur sowohl mit der Maschine als auch mit einem Menschen. Wenn der Fragesteller nicht feststellen kann, wer von beiden die Maschine sei, wäre die Intelligenz bewiesen.

Fast wichtiger war damals für die Engländer sein Beitrag im Krieg. Sowohl seine Theorien als auch sein analytischer Verstand trugen maßgeblich zur Entschlüsselung der Enigma-Botschaften bei. Er baute mit seinen Kollegen die erste digitale Rechenmaschine, mit der diverse Codes entschlüsselt werden konnten. Nach dem Krieg leistete er weitere wertvolle Dienste in der Forschung.

Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. 1952 hatte er eine Beziehung zu einem jungen Mann, der einem Kumpel half, bei Turing einzubrechen. Sauer meldete er den Diebstahl und weigerte sich, aus seiner Homosexualität ein Geheimnis zu machen. Daraufhin wurde er wegen sexueller Perversion angeklagt und vor die Wahl gestellt, eine Gefängnisstrafe anzutreten oder sich behandeln zu lassen. Schwulsein galt damals als psychische Krankheit.

Die sog. Therapie bzw. chemische Kastration bestand in Verabreichung von Östrogen, da das angeblich lustdämpfend sein sollte. Das hatte zur Folge, dass ihm Brüste wuchsen und seine Figur generell weiblicher wurde. Für einen sportlichen Mann eine miese Schicksalswendung. Zwar nahm er es nach außen locker aber er entwickelte eine satte Depression. 1954 brachte er sich um.

Auf eindringliche Aufforderung des englischen Volkes entschuldigte sich 2009 Premierminister Gordon Brown und würdigte außerordentlich seine Verdienste. Und am 24. Dezember 2013 tat das auch die Queen durch ein ‚Royal Pardon‘.

 

The Imitation Game. Benedict Cumberbatch spielt Alan Turing.
















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