Kalenderblatt für den 19. Dezember


Fritz Haarmann

Friedrich Haarmann wurde am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt. Er wurde als Serienmörder von mind. 24 jungen Männern verurteilt.

Kalenderblatt Bild19. Dezember – Kalenderkunde
Fritz Haarmanns Gasofen.
Bundesarchiv, Bild 102-00884 / CC-BY-SA

Im Grunde ist das Leben von Haarmann ein Filetstück für Psycho- und Soziologen. Es ist bekannt, dass er von seinem Vater sehr autoritär erzogen und von seinem älteren Bruder sexuell mißbraucht wurde. Nach einer Schlosserlehre versuchte er sein Glück beim Heer. Dort aber litt er zum ersten Mal an Halluzinationen. Nachdem sich das wiederholte, bat er um seine Entlassung und arbeitete unmotiviert in der Zigarrenfabrik seines Vaters.

Aus dieser Zeit ist bekannt, dass ihn eine Nachbarin verführte und er selbst sich an Nachbarskindern verging. Aber anstatt einer Anzeige kam er in eine Heilanstalt, wo ihm die sehr differenzierte Diagnose ‚Unheilbarer Schwachsinn‘ mitgeteilt wurde. Eigentlich war nun der Plan, ihn lebenslang in der Anstalt zu lassen. Wenn man sich die Verhältnisse in solchen Institutionen phantasievoll ausmalt, kann man es ihm nicht verdenken, dass er nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen erfolgreich in die Schweiz floh.

Nach einiger Herumtrödelei wurde Haarmann 1900 zum Militär eingezogen. Das ging auch diesmal schief, er bekam Ohnmachtsanfälle und ihm wurde diesmal hebephrene Schizophrenie attestiert. Schon etwas genauer als ‚Unheilbarer Schwachsinn‘ und es hatte zur Folge, dass er in Rente ging. Er kehrte nach Hannover zurück, erstritt ein wenig Geld von seinem Vater, eröffnete einen Fischladen, ging pleite und lebte seine Homosexualität klarer aus.

Jetzt begann seine kriminelle Laufbahn. Er unterschlug, hehlte, klaute und brach ein. Er wurde mehrfach verurteilt und verbrachte die Zeit des ersten Weltkriegs im Gefängnis. Danach lernte er Hans Grans kennen, mit dem er eine langjährige Beziehung unterhielt.

Und erst 1924 kam ihm die Polizei auf die Spur weil nacheinander fünf menschliche Schädel im Fluss Leine gefunden wurden. Nach der Untersuchung sah man, dass sie von jungen Männern stammen mussten und wohl mit einem Messer abgetrennt wurden. Jetzt suchte die Polizei nach einem Serienmörder. Und da es nur Jungs waren, vermutete man einen homosexuellen Täter.

In Hannover waren ca. 30 Männer bekannt, die dafür in Frage gekommen wären. Und ein Kripo-Beamter erinnerte sich an einen Verdacht im Jahre 1918, wo aber Haarmann nichts nachgewiesen werden konnte. Von da ab wurde er observiert und schon einige Tage später wegen der Bedrohung eines Jugendlichen verhaftet.

Eine gute Chance, seine Wohnung zu durchsuchen. Damit enthüllte der Fall seine Tatsachen häppchenweise. Zuerst fand man Tücher mit Blutspuren. Haarmann wurde lange und mehr als streng verhört und gab Stück für Stück Dinge zu. Man suchte in Gewässern und liess sogar in einem Stauwehr das Wasser senken. Dort kamen dann eine Unmenge an Knochen zutage. Daraus konnten mindestens 22 Personen unterschieden werden.

Kleidungsstücke, die den Opfern gehört hatten und die Haarmann versteckt oder verkaufte, wurden ausgestellt um Angehörigen die Identifizierung zu ermöglichen. Einige konnten dadurch zugeordnet werden. Viele aber blieben unerkannt. Die Überreste der unbekannten Opfer wurden in einem Ehrengrab gemeinsam beerdigt.

Haarmann hatte um den Krieg herum auch mit Fleischkonserven gehandelt. Man nahm an, dass einige seiner Opfer zumindest teilweise so verschwanden. Eine Nachbarin mit einem Restaurant hatte ebenfalls öfter Fleisch bei ihm gekauft. Jedenfalls wurde er am 19. Dezember zum Tode verurteilt und im Frühling 1925 enthauptet.

Fritz Haarmann war natürlich eine großartige Vorlage für die Kultur. Ob auf der Bühne oder im Buch, seine Geschichte wurde vielfach verarbeitet. Sehr berühmt geworden ist das Haarmann-Lied, dessen Melodie aus einer Operette stammte:

 

„Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt Haarmann auch zu dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen,
macht er Schabefleisch aus dir.
Aus den Augen macht er Sülze,
aus dem Hintern macht er Speck,
aus den Därmen macht er Würste
und den Rest, den schmeißt er weg.“

 

Ein schönes Hörspiel gibt es übrigens hier kostenlos zu laden

 
















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