Kalenderblatt für den 6. Dezember


Blutspiele

Olympische Sommerspiele 1956 in Melbourne. Am 6. Dezember trafen die Wasserballmannschaften von Ungarn und der Sowjetunion aufeinander. Was normalerweise zu einem freundschaftlichen Spiel hätte werden sollen, war von unglaublicher Brisanz.

Kalenderblatt Bild6. Dezember – Blutspiel
Bild von Josef Stalin, Weltmeister in Sachen Hinrichtungen

Denn Ende Oktober gab es in Ungarn einen Aufstand gegen die kommunistische Partei und die sowjetische Besatzung. Bedauerlicherweise wurde der Aufstand äußerst blutig niedergeschlagen.

Ungarn wurde direkt nach dem zweiten Weltkrieg durch die Sowjetunion extrem beeinflusst. Obgleich die Partei der kleinen Bauern zuerst die Wahl gewann und die Kommunisten nur geringe Anteile an der Regierung hatten, versuchten sie auf jede nur erdenkliche Weise, die Macht zu übernehmen. Wenn auch nur in kleinen Schritten. Z.B. blieben die roten Truppen trotz des Friedensschlusses 1947 im Land unter irgendeinem fadenscheinigen Grund. Dann wurden Mandate aberkannt, Abgeordnete eingeschüchtert, eben die üblichen Mistkerl-Methoden.

Ab Mai 49 gab es eine Einheitsliste und die Kommunisten ‚gewannen‘ mit über 99%. Und schwupps, gab es stalinistische Methoden. Hinrichtungen zur moralischen Stärkung der Untertanen, Zwangsarbeit und Zwangskollektivierung führten ziemlich schnell zur uns bekannten Schwachsinnsplanwirtschaft, so dass das ehemals blühende Ungarn sogar Lebensmittel importieren musste.

Als im März 1953 Stalin endlich starb, kam Nikita Chruschtschow an die Macht. Auch in Ungarn änderten sich die Machtverhältnisse zugunsten der Agrarwirtschaft aber die intellektuelle Elite war zu Recht nach wie vor nicht zufrieden. Es gärte also im Volk und insbesondere an den Universitäten.

Am 23. Oktober 1956 marschierte Budapest. Wirklich große Demonstration, die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit usw. forderte. Und der Parteichef ließ wahllos in die Menge feuern. Was entsetzlich bösartig war und in den darauf folgenden Tagen landesweit zu weiteren Aufständen und Demos führte. Man setzte die Regierung ab, wählte Arbeiterräte, bildete eine neue Regierung und trat sofort aus dem Warschauer Pakt aus.

Ab dem 29. Oktober 1956 gab es im nahen Osten Ärger. Die Sueskrise begann und die Weltöffentlichkeit schaute nach Ägypten und Israel. Und im Schatten dieser Ereignisse marschierte die rote Armee in Ungarn ein um den Aufstand brutal und schnell niederzuschlagen. Schnell klappte nicht so recht, es gab ziemlichen Widerstand aber mit Brutal hatten sie Erfolg.

In dieser Zeit flohen unglaublich viele Ungarn. Die meisten nach Wien, eine naheliegende Wahl aber Österreich konnte natürlich nicht alle Flüchtlinge alleine aufnehmen. So gab es Abertausende, die z.B. nach Deutschland, Frankreich und Übersee gingen.
Ende November ’säuberte‘ man Ungarn. Reichlich wurden Anführer an die Wand gestellt, viele Beteiligte verhaftet. Und der knallharte Kommunismus hielt wieder Einzug.

Jetzt springen wir wieder zu dem Wasserballspiel am 6. Dezember danach. Nun kann man sich etwas genauer vorstellen unter welchen Spannungen das Spiel hatte stattfinden müssen. Die Zuschauer begeisterten sich natürlich für die Ungarn und die Zuschauerzahlen waren enorm. Blutspiel hieß es deswegen, weil ein ungarischer Spieler die Faust eines Russen ins Gesicht bekommen hatte. Eine Platzwunde an der Augenbraue mit entsprechend saftiger Blutung war die Folge. Viel mehr passierte nicht aber was für eine Symbolik. Die Presse liebte es.

Zum kleinen Trost kann man noch sagen, dass die Ungarn das Spiel deutlich gewannen. Und zum Schluss sogar absolut verdient Gold holten.

 


 

Ein Dokumentarfilm über genau diese Ereignisse gibt es von Quentin Tarantino und Lucy Liu. Hier der Trailer:
















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