Kalenderblatt für den 2. Dezember


Flick-Affäre

Schmiergeld ist ja immer wieder Thema. Am 2. Dezember 1983 wurde die Immunität des Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff aufgehoben, damit er im Rahmen der Flick-Affäre aussagen konnte.

Kalenderblatt Bild2. Dezember – Kalenderblatt
Friedrich Flick Hauptangeklagter im Nürnberger Flick-Prozess. Quelle: Axis History Forum

Zuerst zum Namensgeber Flick. Ein Vorzeigeunternehmer, wenn es um Dinge wie Kriegsgewinn, Schmiergeld, Parteispenden, Zwangsarbeit und viele Auszeichnungen geht. Man muss unbedingt das Talent bewundern, unter allen möglichen Umständen Geld zu machen. Schon im ersten Weltkrieg verdiente er saftig, indem er seinen ersten Vorstandsposten dazu nutzte Firmen kaufen zu lassen. An denen er selbst beteiligt war.

Vor dem zweiten Weltkrieg ergaben sich mit ‚Spenden‘ an Politiker Vorteile gegenüber Konkurrenten, die ihn scheußlich reich machten. Ebenso ergaben sich durch Zwangsarbeiter und gute Verbindungen zu Göring einige Anreize zur kreativen Wertvermehrung. Flicks Privatvermögen wurde vor Kriegsende auf 2-3 Milliarden Reichsmark geschätzt.

Nach dem Krieg wurde Friedrich Flick zu sieben Jahren Haft verurteilt. Es gelang vorher, viele Beweise zu vernichten, Gelder zu übertragen und die Vita zu bereinigen. Der Konzern wurde umstrukturiert, ehemalige jüdische Besitzer mit albernen Summen abgespeist. Und einige Zeit danach hatte der Konzern keinerlei Schuldspruch an der Backe und war damit nicht weiter verpflichtet irgend jemand Entschädigung zu zahlen.

Und schwupps, war Flick wieder der reichste Mann in Deutschland. Einer seiner Söhne stieg ins Geschäft ein, man kaufte sich in viele große Betriebe ein und sorgte für reibungslose Geschäfte. 1972 starb Friedrich. Seine Erben führten das Imperium weiter.

Im Jahr 1981 beantragte der Konzern Flick eine Steuerermäßigung in Höhe von einer runden Milliarde DM beim Wirtschaftsministerium und bekam sie prompt genehmigt. Und das nicht zum ersten Mal. Angeblich für volkswirtschaftlich förderungswürdige Reinvestitionen. Die dafür zuständigen Wirtschaftsmitglieder waren die FDP-Größen Hans Friederichs und Otto Graf Lambsdorff.

Ein hartnäckiger Steuerfahnder namens Klaus Förster spürte in einem Schließfach ein kleines, höchst belastendes Büchlein auf, in dem die genauen Summen an Bargeldzahlungen an alle möglichen Personen der Politik aufgelistet waren. Lambsdorff, Friedrich, Strauss, Kohl usw. usw. bekamen Summen zwischen 50.000 und einer halben Millionen in bar. Als beschlossen wurde, Anklage zu erheben, wurde die Immunität des amtierenden Wirtschaftsministers aufgehoben. Er trat darauf von seinem Posten zurück.

Ein anderthalbjähriger Prozess brachte aber nur Kinderkram zutage. Sämtliche Beteiligten hatten beeindruckende Gedächtnislücken. Kleine Urteile wegen Steuerhinterziehung waren die Folge. Allerdings konnten die Steuerfahnder nun weitere Flick-Spenden verfolgen.

Die nächsten 2 Jahre untersuchte ein Ausschuss den Weg des Geldes und konnte nachweisen, dass CDU, CSU, SPD und FDP zwischen 1969 und 1981 rund 25 Millionen DM an ‚Parteispenden‘ erhalten hatten.

Politiker beschuldigten sich gegenseitig, waren aber allenthalben der Meinung, dass dieses Spendengesetz aber auch echt ziemlich kompliziert sei. Bis auf ein paar Vorwürfe zur Vergesslichkeit und kleinen Änderungen im Spendengesetz tat sich nichts.

Otto Graf Lambsdorff wurde FDP-Vorsitzender, leitete den Ausschuss zur Entschädigung von NS-Opfern und das Bundesverdienstkreuz ist nur eine von vielen honorigen Auszeichnungen. Sein Neffe Alexander Graf Lambsdorff sitzt für die FDP im Europarat.

Friedrich Karl Flick, der lebenslustige Erbe des Imperiums taugte nicht so recht zum Konzernführer. Spaß am Nachtleben war da deutlich wichtiger. Mit den tragischen Worten: ‚Ich hab die Schnauze voll‘, verkaufte er den ganzen Kram 1985 an die deutsche Bank für rund 5 Milliarden DM.

Diese Summe ist jenseits des Begreifbaren, jedenfalls als Privatvermögen. Man stelle sich vor, man würde ca. 100 Jahre lang jede Woche eine Millionen im Lotto gewinnen.

Nicht genug vom Schummeln. Um auch etwas vom Kuchen abzubekommen, dachte sich die Deutsche Bank eine virtuelle Sekunde direkt zum Jahresanfang aus, dem sogenannten Mitternachtserlaß, um ein Jahr lang keine Körperschafts- und Vermögenssteuer auf den Verkaufsgewinn zahlen zu müssen. Ab einer gewissen Flughöhe gelten nun mal kaum Regeln.

















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