Kalenderblatt für den 28. November


Zähes Zeug

Pech tropft in einem Experiment aus einem Trichter. Der achte Tropfen fiel am 28. November 2000 in den Becher darunter. Ich bin fast sicher, jetzt ein allgemeines ‚Hä?‘ zu hören.

Kalenderblatt Bild28. November – Kalenderkunde
Raffinerie von JUREC / pixelio.de

 Worüber wir reden ist aber tatsächlich ein wissenschaftliches Experiment.

1927 füllte Professor Thomas Parnell erhitztes Pech in einen Trichter. Als die Masse sich gesetzt hatte und erkaltet war, öffnete er den Trichter und die Masse begann, in den Becher darunter zu tropfen. Die Zielsetzung war es, nachzuweisen das sog. superzähe Stoffe tatsächlich flüssig sind, auch wenn es wirklich nicht so aussieht. Superzäh sind manche Glassorten. Wenn man alte, größere Scheiben von der Seite betrachtet, sieht man, dass sie unten dicker geworden sind.

Pech ist auch so ein Stoff. Bei Zimmertemperatur ist es brüchig, fest, wasserdicht und manchmal hübsch glatt. Es entsteht durch ‚einkochen‘ von Teer. Früher hat man es benutzt um Schiffe wasserdicht zu machen (kalfatern) oder auch um die hölzernen Wagenachsen von Kutschen zu schmieren. Dafür gab es tatsächlich ‚Schmiergeld‘ für den Kutscher. Zahlte man, schmierte er und man war schneller am Ziel.

Das Experiment zeigt nun, das der Stoff auch bei Zimmertemperatur fließt, wenngleich wahnsinnig langsam. 1930 begann das Ganze und 1938 fiel der erste Tropfen. Dann 1947, 1954, 1962, 1970, 1979, 1988, 2000 und 2014 der bisher letzte. Bedauerlicherweise gibt es für den vorletzten Tropfen keine Zeitzeugen, denn die Webcam versagte im entscheidenden Moment.

Professor Mainstone, der seit den siebziger Jahren das Experiment überwacht, betont öfter mal die Genialität der ganzen Sache. Bei minimalen Kosten ein stressfreies Experiment überwachen und das auch noch in hundert Jahren.

Man hofft allerdings noch auf den Ig-Nobelpreis. Das ist eine Art Alternativpreis, der für wissenschaftliche Dinge vergeben wird, die laut Satzung zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen sollen.
Diesen gewann in der Disziplin Wirtschaft 1991 Michael Milken, ‚Titan der Wall Street – und Vater des Junk-Bonds, dem die Welt viel schuldet‘.
Oder in Psychologie im Jahre 2000 David Dunning von der Cornell University und Justin Kruger von der University of Illinois ‚für die Studie „Ungebildet und ahnungslos davon. Wie Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen, zu übersteigerter Selbsteinschätzung führen.“(Dunning-Kruger-Effekt)‚.
Mein Liebling ist der Preis in Neurowissenschaften 2014 an Jiangang Liu, Jun Li, Lu Feng, Ling Li, Jie Tian und Kang Lee ‚für ihre Versuche zu verstehen, was in dem Gehirn der Leute vorgeht, die das Antlitz Jesu auf einem Toast sehen‚.
Sie sehen also, ein durchaus erstrebenswerter Titel.

 


 
















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