Kalenderblatt für den 18. November


Sklaverei

Seine erste dicke Niederlage bekam Napoleon am 18. November 1803 ausgerechnet auf einer sonnigen Insel. 25.000 französische Soldaten sollten endgültig mit den Sklavenaufständen auf Hispaniola Schluß machen.

Kalenderblatt Bild18. November – Kalenderkunde
Auf Deck eines Sklavendampfers im Kongogebiet um 1900

Jedoch, der schwarze General Jean-Jacques Dessalines, das Gelbfieber und die britischen Rotröcke machten den blauberockten Franzosen sehr schwer zu schaffen.

Wenn nur alles so einfach mit Farben zu erklären wäre. Einmal kurz zum Anfang gesprungen: Frankreich, Spanien und England hatten in der karibischen See die meisten Kolonien. Und die waren wertvoll. Seit der Wiederentdeckung durch Kolumbus gab es in der Region einen wahren Ausverkauf. Wer konnte, sicherte sich eine Insel und beutete die Rohstoffe aus. In der Regel holte man dazu Sklaven aus Afrika und liess sie auf Plantagen oder in Bergwerken schuften.

Die Insel Hispaniola, die sich heute in Haiti (links) und die dominikanische Republik (rechts) teilt, war schon immer ein Zankapfel gewesen. In der Größe entspricht es fast Österreich und liegt rechts von Kuba. Es gab dort zu Anfang ergiebige Goldminen und man kann dort hervorragend Zuckerrohr anpflanzen. Nach einigen, logischerweise blutigen Streitereien einigten sich Frankreich und Spanien im Jahr 1691 auf eine Grenze quer durch die Insel. Im Zuge der französischen Revolution und dem sog. Frieden von Basel im Jahr 1795 wurde die gesamte Insel dann französisch.

Und jetzt wird es wieder farbig. Zur Zeit der Revolution gab es auf der gesamten Insel 90% Schwarze, 4% Mulatten und 6% Weiße. Wobei das Rollenbild der Mulatten schwierig war, sie waren meist keine Sklaven, wurden aber von keiner Seite ernst genommen.

Auf der Insel wurden Sklaven generell ziemlich schlecht behandelt. Daher wundert es wenig, wenn es immer wieder zu kleinen oder größeren Aufständen kam. Dazu kamen noch die andauernden Kämpfe der Franzosen, den sogenannten Koalitionskriegen, die sich fast überall für ihren unglaublichen Machtanspruch verteidigen mussten.

Der beste Schachzug war es für die Sklaven natürlich gerade mit demjenigen zu paktieren, der ihnen mehr Hilfe versprach. Und so kam es auch auf der Insel, wie in Europa zu ständig wechselnden Koalitionen. Frankreich, Spanien und mehr noch England versuchten natürlich, die Insel letztlich nicht von der Leine zu lassen oder eben als Freund dazustehen, wenn sich der Staub gelegt hatte.

Toussaint Louverture, heute ein Nationalheld in Haiti, war ein freigelassener Sklave, der die Aufstände formierte. Seiner Taktiererei ist es zu verdanken, dass die Schwarzen schließlich sich aller Besatzer entledigen konnten. Selbst die Freibeuter wehrten sie erfolgreich ab. Leider kam in all den Wirren die kleine Armee der Mulatten unter die Räder. Quasi ein Nebenschauplatz.

Toussaint stellte für Napoleon symbolisch und faktisch eine ernste Gefahr dar. Daher entsandte der kleine Gernegroß die 25.000 Mann, um ein für allemal Ruhe zu haben. Zwar schafften sie es, Toussaint 1802 gefangen zu nehmen aber die Armee wurde am 18. November 1803 unter dem schwarzen General Jean-Jacques Dessalines geschlagen.

Haiti blieb frei. Der Ostteil, heute die dominikanische Republik, erlebte noch einige französisch-spanisch-haitianische Wechsel und wurde erst 1844 unabhängig.

Wenn man nun glaubt, mit der Sklaverei wäre auf Haiti Schluß, sollte man sich nicht zu früh freuen. Laut der Kindernothilfe gibt es heute noch ca. 300.000 Kinder beiderlei Geschlechts als Sklaven. Das sind zumeist Kinder der ärmsten Familien, die für Kost und Logis in den Haushalten der Mittel- und Oberschicht arbeiten. Mißbrauch und Schläge sind dabei normal und werden nicht geahndet. Man sieht also, Arschloch sein ist keine Frage der Hautfarbe.

 


 
















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