Kalenderblatt für den 11. November


WW 1

Das Ende des ersten großen Weltkrieges kam am 11. November 1918 um 11 Uhr in einem Salonwagen auf einer Waldlichtung bei Rethondes.

Kalenderblatt Bild11. November – WW I
Verhandlung zum Waffenstillstand am 11. November 1918. Künstlerisch kolorierte Fotografie

Seit 1914 führte die Welt Krieg. Schon vor dem Ausbruch hatten fast alle kontinentalen Mächte ein wenig am Zaun gerüttelt und in allen Bevölkerungen brodelte es. Daher bedurfte es eigentlich nur eines ‚kleinen‘ Anlasses, nämlich des Attentats in Sarajevo, um den Damm zu brechen. Österreich erklärt den Krieg, mit dem Blankoscheck der Unterstützung durch Deutschland in der Tasche. Und reihenweise steigen die Großmächte mit ein. Die einen hier, die anderen da.
Liest man Schlagzeilen von damals, kann man die kriegsgierigen Männer jeder Nation nahezu frohlocken hören.

Vergessen hatte man aber, die modernen Aspekte mit einzubeziehen. Erstens gab es keine lokalen Kriege mehr. Das neue Transportwesen konnte den Krieg dahin bringen, wo man gerade wollte. Und zweitens war die Welt so schrecklich effizient in jeder Weise geworden, dass es schlicht unmöglich war, Krieg wie früher zu führen. Man erinnere sich an die Kabinettskriege des vorigen Jahrhunderts, wo Gruppen von Soldaten wie auf dem Schachbrett bewegt wurden und ihre Scharmützel auf einem offenen Feld austrugen. Möglichst ohne Zivilisten einzubeziehen. Mit Ehre und so.

Der erste Weltkrieg forderte ein Umdenken in so brutaler Weise, dem konnte man sich einfach nicht schnell genug anpassen. Und schon garnicht, wenn man in starren Traditionen verfangen war. Es gab in diesem Krieg erstmals Waffen wie das Maschinengewehr, das locker eine Hundertschaft napoleonischer Infanteristen ersetzt hätte. Es gab U-Boote, Gasangriffe, Handgranaten, Langstreckenbomber und Kanonen, die weiter schossen als ein Mann am Tag reiten konnte.

Und es gab weltweit über 17 Millionen Tote.

In der Endphase 1918, nachdem die nunmehr dritte deutsche Heeresleitung eine letzte Frühjahresoffensive vergeigt hatte, waren auch keine Propagandalügen mehr möglich. Deutschland wollte keinen Krieg mehr führen, jede weitere Handlung wäre selbst militärisch nicht mehr zu rechtfertigen gewesen.

Es brodelte wieder allenthalben. Die meisten Nationalisten und Waffennarren sind an der Front zerfetzt worden. Wenn sich jetzt Stimmen gegen den Kaiser erhoben, wurden sie gehört. Man wollte keine Schachfigur mehr sein, wo ein König gegen den anderen zog. Und letztere sich beim Frühjahrsdinnner als Cousin, Bruder und Neffe wiedersahen. Weg mit der Monarchie.

Als in Kiel im Oktober ’18 Matrosen den Befehl bekamen, gegen die britische Marine zu kämpfen, wussten alle, dass dies im Grunde ein Suizidbefehl war. Und man meuterte. Verweigerte sich, marschierte los, über Lübeck nach Hamburg und Bremen. Man war sich einig: Schluss damit. Und so zogen Aufständische durch die Republik und es schlossen sich fast alle an. Selbst regierungstreue Soldaten weigerten sich, auf ihre Kameraden zu schiessen.

Da der Kaiser bei einer Nachfrage feststellte, dass ihm im Grunde alle den Befehl verweigerten, dankte er ab. Und floh in die Niederlande. Im Fahrwasser dieser Sache wurden einige Politiker dann Regierende und diverse Fähnchen schwenkten fix im Wind.

Der Wille zu Verhandlungen zum Kriegsende hatte es schon seit mindestens einem Monat gegeben. Ludendorff hatte von seiner Regierung schon seit Ende September Verhandlungen zum Waffenstillstand gefordert. Nicht ganz selbstlos, denn aus dieser Abgabe der Verantwortung machten ein paar Mistkerle später die berühmte Dolchstoßlegende. Die Regierung habe die Soldaten im Stich gelassen, da wäre noch was gegangen, Schuld wären die Sozis, die Juden usw. Haltlos, bescheuert, aber als Vorbereitung zum zweiten Weltkrieg später sehr nützlich. Unschuldiges Heer, böse Regierung.

Nun, mit der neuen, kaiserlosen Regierung traf man sich am 11. November um 11 Uhr und die deutschen Vertreter nahmen auf Anweisung jedwede Bedingung zum Waffenstillstand an.

Wenn Sie heute, wie viele Briten, um 11 Uhr am Remembrance Day der Gefallenen gedenken, dann erschrecken sie bitte nicht, wenn 11 Minuten später ein paar Pappnasen am Rhein anfangen, Lärm zu machen. Die wollen nur spielen.

 


 
















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