Kalenderblatt für den 10. November


Strom

Strom ist unser ultimativer Treibstoff. Das ist bei jedem Ausfall zu merken. Am 9. November 1965 gab es den ersten großen Stromausfall, der große Teile des Nordostens der USA und Teile Kanadas lahmlegte.

Kalenderblatt Bild9. November – Kalenderkunde
Kerzen: C. Bender-Saebelkampf / pixelio.de

Die Komplexität der Aufgabe wird einem wohl erst im Nachherein so recht bewusst. Strom wird in den unterschiedlichsten Ecken der Welt produziert und muss über Landesgrenzen hinweg transportiert werden. Und da wir über hunderttausende Kilometer Leitung und unglaublich viele Schalter reden, ist es nur natürlich, dass alle naselang etwas kaputt geht. Problematisch ist bei Strom nur, dass man ihn nicht schlagartig stoppen kann. Das Umleiten, im Falle einer Störung, ist nicht in Sekunden machbar. Aber so kurz dauert es, bis ein weiteres Teil kaputt geht. Und je mehr Teile leiden, desto eher kommt es zu einem Domino-Effekt. Eine eh schon ausgelastete Leitung muss die Arbeit ihres Nachbarn übernehmen, bis auch sie versagt. Die nächste hat dann schon die dreifache Dosis usw. usw.

Genau so entstand der weitreichende Schaden damals. Es fing an mit einem kaputten Relais und der Schaden kaskadierte sich. Es gab zwar örtliche, kleine Kraftwerke und manche Firmen hatten Notaggregatoren, aber ca. 30 Mio. Menschen waren über 12 Stunden ohne Strom. Was für den einzelnen romantisch oder abenteuerlich sein mag, kann für den anderen lebensbedrohlich sein. Da reden wir von Heizungen, Kühlhäusern, Krankenhäusern, Ampeln etc. 800.000 Leute waren lange Zeit in den U-Bahnen gefangen. Eine Situation, die ich ohne Toilette ziemlich unangenehm fände.

Man war damals deutlich eher in der Lage, die einfachen Lebensumstände in den Griff zu bekommen. Es gab mehr Kamine und Kerzen und man nahm die Umstände eher als Happening wahr und half einander. Es kursierte lange das Gerücht, dass neun Monate nach einem solchen Ausfall die Geburtenrate deutlich in die Höhe ging, aber da muss ich enttäuschen. Man hat nach weiteren Ausfällen dieser Art die Geburtsstatistiken untersucht, und die Abweichungen waren nichts besonderes. Obwohl der Verdacht ziemlich nahe liegt, sich bei Kerzenschein näher zu kommen, war es wohl eher romantisch als wild.

Eine klassische Annahme der damaligen Zeit war natürlich, dass entweder der Atomkrieg angefangen hatte, oder dass die Außerirdischen jetzt gekommen seien. Da aber einige Radiosender mit eigener Versorgung noch senden konnten, dürfte sich diese Hysterie in Grenzen gehalten haben.

Ein positiver Effekt dieser Geschichte war, dass sich die Stromnetzbetreiber endlich zusammengesetzt haben, um ihre Sicherheitsmaßnahmen abzugleichen. Man hält sich noch heute an die sog. N-minus-Eins-Regel. Es wird im Grunde jedes Teil im Netz hinterfragt, was passiert, wenn es selbst oder ein anderes in der Nähe ausfällt. Würde es dann schon versagen, taugt es nix. Das ist zwar keine Garantie, hält aber den Domino-Effekt in Grenzen. Ein Problem stellt, insbesondere in Amerika, die Zuständigkeit der einzelnen Betreiber dar. Die rein finanziell gesteuerte Frage: „Warum soll grad ich meine teure Leitung doppelt bauen?“ führte zu weiteren großen Ausfällen in den Jahren 1977, 2000 und 2003.

Bleibt zu hoffen, dass wir von längeren Ausfällen verschont bleiben, denn wir werden von Tag zu Tag abhängiger vom Strom. Unsere deutschen Probleme bestehen heutzutage weniger in schlechten, vielmehr in mangelnden Leitungen. Während die steigende Anzahl an alternativen Energiequellen, wie Solarkollektoren oder Windräder, immer mehr produzieren, fehlt es an grösseren Leitungen um diesen Strom auch z.B. von Nord nach Süd verteilen zu können.

 


 
















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