Kalenderblatt für den 7. November


Kentucky-Tragödie

Romantik in einem Mord zu finden, ist nicht einfach. Am 7. November 1825 erdolchte der junge Rechtsanwalt Jereboam O. Beauchamp seinen Kollegen Solomon P. Sharpe im US-Bundesstaat Kentucky.

Kalenderblatt Bild7. November – Kalenderkunde
Jeroboam O. Beauchamp ermordet Solomon P. Sharp (Stich aus dem Jahre 1833, erschienen in The United States Criminal Calendar)

Ob diese Tat zu Recht eine so große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verdient hat, das bleibt die Frage. Man könnte aber ohne weiteres zugeben, dass die Zutaten bei dem Rezept klassisch und gut sind.

Als dritte zu nennende Person haben wir eine Frau namens Anne Cooke. Ohne ungewöhnliche Frauenrolle ist es doch keine gute Tragödie.
Anne wuchs gebildet in der gehobenen Mitelschicht auf, lehnte zugunsten ihrer Freiheit ein paar Heiratsanträge ab und lebte vergnügt. Bis sie im Alter von 30 Jahren ein Kind tot gebar. Sie beschuldigte Solomon Sharpe, sie verführt zu haben, aber ihre Brüder zeigten sich nicht gewillt, die Ehre ihrer unkonventionellen Schwester zu verteidigen.

Der spätere Täter, Beauchamp, verliebte sich mit 20 Jahren in die 16 Jahre ältere Miss Cooke. Es gibt vermutlich eine Reihe von Gründen, warum die beiden sich zusammen taten. U.a. fand man auch Hinweise darauf, dass die Beziehung von dem Opfer finanziell arrangiert wurde, um sowohl Beauchamp als auch Cooke zum Schweigen zu bringen. Tatsache ist, dass Beauchamp eine Reihe von Aufträgen durch Solomon bekam. Bis zur Heirat musste allerdings noch ein wenig gewartet werden, da Beauchamp erst 1824 volljährig wurde.

Zu dieser Zeit begann eine politische Schmutzkampagne, an der auch Sharpe beteiligt war. Seine politischen Gegner warfen ihm die damalige Affäre mit Miss Cooke vor und zogen auch die tragische Geburt wieder ans Tageslicht. Um Sharpe zu schützen, brachten seine Leute das Gerücht in Umlauf, dass das Kind von schwarzer Hautfarbe gewesen sei. Was vermutlich der Auslöser gewesen war, weswegen Miss Cooke ihren Ehemann dazu brachte, Sharpe aufgrund ihrer verlorenen Ehre umzubringen.

Und Beauchamp tat es. Erdolchte Sharpe, floh und wurde Tage später gefangen. Der folgende Prozess war recht hochkarätig besetzt. Sowohl Verteidiger als auch Ankläger waren gestandene Personen des Rechts. Da die Amerikaner nach wie vor einen dramatischen Hang zu solchen Prozessen haben, dürfte dieser ein Filetstück der Justiz gewesen sein.

Es kommt aber noch besser. In der Zeit des Prozesses erstritt Misses Beauchamp sich das Recht, bei ihrem Mann in der Zelle zu wohnen. Da sie beide seit jeher einen Hang zur romantischen Literatur hatten, verfassten sie ein ewig langes Geständnis, das vor Liebe, Drama und verlorener Ehre nur so triefte. Demnach waren sie die politischen und tragischen Opfer, die nicht anders hätten handeln können. Das Buch sollte verlegt werden, aber das wollte kein Verleger anfassen.

Nutzte alles nix. Der junge Mann wurde zum Tode verurteilt. Als auch noch das Gnadengesuch des Gouverneurs abgelehnt wurde, versuchten die beiden, sich zuerst mit Laudanum, dann mit Messerstichen umzubringen. Sie verstarb recht fix, er konnte bis zu seiner Hinrichtung noch stabilisiert werden. Seine letzte Handlung war es, die Geistlichen abzulehnen, ohne weitere Worte zum Galgen zu marschieren und sich eine fröhliche Musik von der anwesenden Kapelle zu wünschen.

Edgar Allan Poe liess sich zehn Jahre später zu einem Bühnenstück (Politian) inspirieren. Zwar wurde der Ort nach Rom verlegt und die Personen in Adlige verwandelt, ansonsten hielt er sich recht genau an die Geschehnisse. Das Stück blieb durch Poes Tod unvollendet und wurde auch nie aufgeführt.

Begraben sind die beiden Drama-Opfer eng umschlungen unter einem gemeinsamen Stein, auf dem acht Strophen ihres Gedichtes über die Tragödie eingemeisselt sind.


Entombed below in each other’s arms,
The husband and the wife repose,
Safe from life’s never ending storms,
And safe from all their cruel foes….

A child of evil fate she lived,
A villain’s wiles her peace had crossed;
The husband of her heart revived
The happiness she long had lost.

He heard her tale of matchless wee,
And burning for revenge he rose,
And laid her base seducer low,
And struck dismay to Virtue’s foes

Reader, if Honor’s generous blood
E’er warmed thy breast, here drop a tear,
And let the sympathetic flood
Deep in thy mind the traces bear.

A father or a mother thou,
Thy daughters view in grief’s despair,
Then turn and see the villain low,
And here let fall the grateful tear.

A brother or a sister thou,
Dishonored see this sister dear;
Then turn and see the villain low,
And here let fall the grateful tear.

Daughter of Virtue moist thy tear,
This tomb of love and honor claim;
For thy defense the husband here
Laid down in youth his life and fame.

His wife disdained a life forlorn,
Without her heart’sloved honored lord;
Then, reader, here their fortunes mourn,
Who for their love their life blood poured.

 


 
















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