Kalenderblatt für den 30. Oktober


Sudel-Ede

Karl-Eduard von Schnitzler moderierte bis zum 30. Oktober 1989 jeden Montag die TV-Sendung ‚Der schwarze Kanal‘. Dann wurde sie eingestellt. Es war die wohl bekannteste Propaganda-Sendung für DDR-Ansichten über den Westen.

Kalenderblatt Bild30. Oktober – Kalenderkunde
Karl-Eduard von Schnitzler

Wenn man es nicht erlebt hat, kann man es kaum glauben, und da sowohl die DDR als auch der schwarze Kanal nun seit mind. 25 Jahren Geschichte sind, bedarf es grundsätzlicher Beleuchtung.

Die DDR war ein Regime. Eine Marionettendiktatur. Und sie wollte ihren vermeintlich dummen Bewohnern genau erklären, warum alles im Westen schlecht und verderblich ist. Tatsache war aber, dass der DDR-Bürger, sofern er konnte, natürlich West-Fernsehen empfangen hat. Und sei es nur um ein klein wenig aufmüpfig zu sein.

Propaganda war nun beileibe keine Erfindung der DDR. Oder der Nazis. Das hat es einfach schon immer gegeben, wo Lügen notwendig waren. Und auch im Falle des schwarzen Kanals gab es ein Vorbild. ‚Die rote Optik‘ war eine Sendung, in der sich Thilo Koch im westdeutschen Fernsehen zwischen 1958 und 1960 mit dem Ostzonen-Fernsehen befasste. Genau aufgrund dieser Sendung wurde die montägliche DDR-Sendung kreiert.

Symbiotisch damit verbunden ist Karl-Eduard von Schnitzler, ein stramm kommunistischer Journalist. Er moderierte die Sendung und zeigte oft sinnentstellte Ausschnitte aus dem Westfernsehen, die er als bösartige Polemik ‚enttarnte‘. Dazu gab es zynische Hasstiraden gegen den Klassenfeind und schreiend blöde Rückschlüsse.

Es war logischerweise für wichtige Positionen notwendige Pflicht, den Mist zu schauen. Z.B. Offiziere, Lehrer oder andere Meinungsverbreiter. Was die anderen betraf, nuja, während der Diktatur wurden aus gutem Grund die Sendequoten nicht veröffentlicht, nachher stellte sich heraus, dass sie wohl durchschnittlich um die 7% betrugen. Keine echte Glanzleistung für verordnetes Programm.

Herr von Schnitzler hatte auch ein paar hübsche Spitznamen. Der bekannteste war wohl ‚Sudel-Ede‘. Den bekam er von einem westdeutschen Kommentator, nachdem sich herausstellte, dass Herr von Schnitzler seinen Bedarf an Konsum in Westberlin mit D-Mark befriedigte.
Dann wurde er auch gerne von Kabarettisten ‚Karleduard von Schn‘ genannt, denn mehr bekam man wegen des schnellen Umschaltens nicht mit.

Das solch ein Mensch zur negativen Symbolfigur für die unterdrückten Bürger wurde, war klar. Zu den Demonstrationen am Ende der DDR skandierten manche Bürger z.B.: ‚Schnitzler lass das Hetzen sein und kauf nicht mehr im Westen ein!‘.

Die Wende und das Ende des schwarzen Kanals waren aber überhaupt nicht das Ende der Hetze. Bis zu seinem Tod blieb er linientreu, erklärte die Mauer zum segensreichen Bauwerk und dachte nicht daran, den Klassenkampf zu beenden. Allerdings diente er da eher als Witzfigur und Relikt.

 


 
















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