Kalenderblatt für den 18. August


Zins

Du sollst deinem Bruder keinen Zins auferlegen, Zins für Geld, Zins für Speise, Zins für irgendeine Sache, die man gegen Zins ausleiht. Dem Fremden magst du Zins auferlegen, aber deinem Bruder darfst du nicht Zins auferlegen.

Kalenderblatt Bild18. August – Kalenderkunde
Der Geldwechsler und seine Frau 1514 von Quentin Matsys

Das alte Testament, die Bibel und der Koran enthalten Passagen aus denen hervorgeht, dass es unmoralisch und uncool ist, Zinsen zu nehmen. Und am 18. August 1830 hat Papst Pius VIII. in einem Schreiben an einen Bischof dieses Zinsverbot aufgehoben. Offiziell für die katholische Kirche.

Es wäre jetzt schön einfach, eindeutig festzustellen, dass die religiösen Bücher den Zins klar verboten hätten. Und ein Papst hätte das eigenmächtig aufgehoben. Aber wie man sich denken kann, so einfach ist das nicht.

In allen drei Teilen des alttestamentlichen Kanons, der Tora, den Propheten und den Schriften wird über Geldverleih gesprochen und es klingt immer abfällig: Falls du (einem aus) meinem Volk, dem Elenden bei dir, Geld leihst, dann sei gegen ihn nicht wie ein Gläubiger; ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen. (2. Buch Mose)

Da könnte man ja noch sagen, dass man keine Zinsen von seinen Kumpels nehmen darf, jedoch wird es noch eindeutiger. Eine davon besagt: „Herr, wer darf weilen in deinem Zelt?/ Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?  (…) wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Wer das tut, wird nimmermehr wanken.“ Psalm 15

Im neuen Testament gibt es natürlich noch einige moralische Hinweise. Jesus schmeißt die Wechsler aus dem Tempel und äussert sich in der Bergpredigt klar gegen die monetäre Unmoral.

Im Mittelalter haben einige Kaiser und Könige die Zinsnahme klar verboten. Mit dem Zweiten Laterankonzil von 1139 tat Papst Innozenz III das ebenfalls. Ab ca. 1500 wurde das Verbot deutlich lockerer gesehen. Zum einem gab man dem Kind einfach einen anderen Namen, z.B. Zuschlag, oder man kümmerte sich nicht um die Regeln. Offiziell zwar noch verboten aber wo die Gier ist, findet sich immer ein Weg.

Eine schöne Parallele steckt im heutigen islamischen Finanzsystem. Dort ist ganz klar der Wucher verboten, der Handel aber nicht. Daher versucht man ein paar skurrile Regelungen. Aktiengewinne sind erlaubt, feste Zinsen nicht. Alles was mit Alkohol, Schweinefleisch oder Glücksspiel ist natürlich verboten. Wie man allerdings beobachten kann, gibt es immer Möglichkeiten, schariakonformes Banking zu betreiben. Die Bank kauft das Haus und verkauft es später teurer an den Kunden. Kein Zins, dennoch Gewinn.

Heutzutage spielt man immer mal wieder mit der Idee der zinslosen Wirtschaft, wahrscheinlich ist es aber unsere menschliche Unzulänglichkeit und nicht Ideenmangel, die das verhindert.

 


 

 
















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