Kalenderblatt für den 7. August


Kon-Tiki

Ein aus Balsaholzstämmen zusammengebundenes Floß trieb am 7. August 1947 auf ein Riff in der Südsee zu. An Bord des gewagten Konstrukts befanden sich sechs bärtige Kerle unter der Leitung des Norwegers Thor Heyerdahl.

Kalenderblatt Bild7. August – Kalenderkunde
Die Kon-Tiki - By Nasjonalbiblioteket from Norway [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Südsee, oder um genauer zu sein Polynesien, das ist eine große Menge an Inseln mit sehr viel Wasser dazwischen und mitten im Pazifik. Sollte man es grob verorten, dann liegen die Inseln zwischen Südamerika und Australien/Südostasien. Und um diese Lage zwischen links und rechts ging es auch in der Sache mit dem Floß.

Der Norweger Heyerdahl, studierter Zoologe, interessierter Anthropologe, reiste mit seiner frisch geheirateten Frau kurz vor dem 2. Weltkrieg durch Polynesien. Vorzugsweise Tahiti. Und wie so oft kann es selbst die frische Braut und die schönste Insel nicht schaffen, den Forscher vom Forschen abzuhalten. Daher reifte in ihm der Gedanke, dass die Besiedlung der Inseln nicht unbedingt von links, sondern durchaus von rechts hätte erfolgen können.

Die damalige Lehrmeinung besagte stur: Seefahrende Bewohner der Philippinen und Taiwan sind seit ca. 1500 v. Chr. langsam von links nach rechts zu den einzelnen Inseln gesegelt. Heyerdahl untersuchte die Pflanzenwelt und viele andere Dinge und versuchte seine These zu untermauern, dass die Besiedelung der ganzen Inseln durchaus auch von Südamerika, also von rechts hätte erfolgen können. Allerdings wurde diese recht steile These von anderen Leuten abgelehnt, da sie es für unmöglich hielten, mit einfachen Schiffen so weit über offene See zu fahren.

Der Krieg konnte Heyerdahls Pläne nur bremsen, nicht aufhalten. Er stellte eine Gruppe aus unterschiedlichen Talenten zusammen und flog mit ihnen nach Südamerika, wo sie aus dicken Balsastämmen ein Floß zusammenbauten, von dem sie vermuteten, dass es so auch schon vor 3.000 Jahren hätte gebaut werden können. Und dann starteten sie am 28. April 1947 in Callao/Peru, mit einem Haufen Büchern, Funkgeräten und Fotoapparaten um mit dem Humboldtstrom nach Westen zu treiben.

Viele Dinge lernten sie erst während der Fahrt. So z.B. dass die Taue, mit denen die großen Stämme verbunden waren, sich in das weiche Holz hineinschnitten und so vor dem Zerscheuern geschützt waren. Oder die Fähigkeit mittels gesteckter Bretter zwischen den Planken genau bestimmen zu können, wie viel Einfluss die Strömung oder der Wind auf die Fahrtrichtung haben. Ohne die Steckkiele wären sie vermutlich an den Inseln vorbeigetrieben. Auch kleine, überraschende Erkenntnisse kamen dazu. Das Strecken der Wasservorräte mit einer kleinen Menge an Salzwasser war möglich und sie lernten, Plankton zu essen.

Am 7. August lief das Floß vor Raroia auf ein Riff und die Besatzung rettete sich an Land. Die Fahrt hatte 101 Tage gedauert und dabei waren 6.980 km zurückgelegt worden. Damit war zumindest der technische Beweis geliefert, dass die Besiedlung Polynesiens durch Südamerikaner hätte erfolgen können. Gentechnische Untersuchungen aus dem Jahr 2008 widersprechen heute Heyerdahls Theorie. Demnach stammt der genetische Pool hauptsächlich aus Richtung Taiwan.

Unbestritten ist Heyerdahls Wagemut und die Etablierung des Begriffs der experimentelle Archäologie. Er unternahm noch weitere spannende Reisen, wurde wegen seiner Sturheit nicht von allen Kollegen gemocht, hatte stets viel Presse und weckte immens Aufmerksamkeit für umwelttechnische Probleme. Da ich das Buch Kon Tiki als kleiner Junge gelesen habe, wird er mir immer als bärtiger Kerl auf einem Floß in Erinnerung bleiben.

 


 

 


 
















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