Kalenderblatt für den 5. August


Katte

Der preußische Kronprinz Friedrich will mit dem engen Freund Hans Hermann von Katte seinem Vater entfliehen. Dieser grausam strengen Moralapostel, Friedrich Wilhelm I. lässt seinen Sohn am 5. August 1730 wie einen Landesverräter einfangen und ordnet die Hinrichtung der beiden an.

Kalenderblatt Bild5. August – Kalenderkunde
Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci.
Ca. 1805 von Adolph Menzel

Wie der geneigte Leser vielleicht weiß, ist aus dem jungen Mann, der weglaufen wollte, der spätere preußische König Friedrichs II mit dem Beinamen der Große geworden. Bis hier könnte das Ganze noch als amüsante Teeniegeschichte durchgehen, die halt so auch im hohenzollerschen Haushalt passieren kann. Leider weit gefehlt.

Der Herr Papa war ein König, der in seinen preußischen Ländereien aus einem Flickenteppich an Gutshöfen einen straffen Staat mit Bewußtsein und positiver Bilanz machte. Er war der erste, der den Gedanken des ersten Diener des Landes auch wirklich lebte. Arbeitseifer, Sparsamkeit, Fleiß und Pflichttreue waren Maxime und wurden auch den adligen Kollegen verordnet. Er hinterliess seinem Sohn ein funktionierendes System, einen dicken Staatsschatz und eine gründlich verkorkste Kindheit.

Wie so oft bei sehr selbstdisziplinierten Menschen gibt es erstaunlich blinde Flecken im nahen Umfeld. Einer davon war wohl das Kindsglück des kleinen Friedrich. Er wurde streng autoritär, religiös, pedantisch und geradezu herzlos erzogen. Körperlich-seelische Zucht und Grausamkeit waren üblich. Er war der Kronprinz und hatte exakt sieben Minuten für das Frühstück. Nur seinem Erzieher Jacques Égide Duhan de Jandun, waren Zugeständnisse an den Schöngeist zu verdanken. So konnte der Stundenplan um Literatur und Latein erweitert werden und der Prinz sich eine heimliche Bibliothek zulegen.

Mit 16 Jahren begann Friedrich II mit Flötenunterricht. Ein schönes Ventil für einen gequälten Schöngeist. Leider wurde auch das mißbilligt und es hagelte weiter Schläge und Sanktionen. Doch anstatt klein beizugeben, blieb der junge Prinz immer leicht rebellisch. Dann lernte er den acht Jahre älteren Leutnant Hans Hermann von Katte beim gemeinsamen Privatunterricht kennen. Auch ein Feingeist und die Vermutung, dass die beiden amouröse Neigungen entwickelten, liegt nah, wurde aber nie so recht bewiesen. Fast gleichzeitig lernte Friedrich am Hofe Königs August dem Starken in Dresden Gräfin Orzelska kennen. Diese war sowohl die illegitime Tochter als auch die Geliebte Augusts. (Ja, richtig gelesen) Ebenso begegnete ihm in dieser Zeit Dorothea Ritter, die Tochter des Rektors in Potsdam. Mit letzterer verband ihn eine eher musikalische Freundschaft und ein paar gemeinsame Spaziergänge. Das alles und insbesondere das Hofleben Augusts zeigte ihm eine gänzlich andere Seite des Lebens.

Zu beiden letzteren Frauen als auch zu seiner späteren Ehefrau hatte er wahrscheinlich keine sexuelle Beziehung. Das lässt schon vermuten, dass er schwul war, was logischerweise damals eine weitere Belastung in einem solchen Elternhaus darstellt. Na, jedenfalls ist der Druck mit 18 Jahren so groß, dass der Prinz mit seinem Freund Katte plant, auszureißen. Nach Frankreich, vielleicht weiter.

Leider stellt sich Friedrich II nicht geschickt an. Als er auf einer Staatsreise war und sein Freund Katte aufgehalten wurde, drängte es ihn dergestalt, den Plan dennoch durchzuziehen, dass er sich an einen Cousin seines Freundes wandte. Der bekam es mit der Angst und verriet die beiden. Kattes Schuld wurde dann noch durch einen kompromittierenden Brief unterstrichen.

Es war nicht nur Bosheit, die den Vater zu einer übel harten Reaktion bewegte. Vielmehr musste er gegenüber seinem Sohn die selbe Strenge gelten lassen wie bei allen anderen, die Fahnenflucht begangen hatten. Aufmüpfige Adlige hätten das Ende des funktionierenden preußischen Staates bedeutet.

Dennoch war es grausam, daran gibt es nichts zu deuten. Friedrich selbst wurde angeblich gezwungen, der Hinrichtung Kattes zuzusehen. Letzterer sollte eigentlich nur lebenslänglich ins Zuchthaus doch auf besonderen Einfluß des Regenten wurde daraus die Todesstrafe. Die Freundin Dorothea Ritter wurde mehrfach ausgepeitscht und wie eine Hure für drei Jahre in das Spandauer Spinnhaus gesperrt.

Friedrich II, später der Große genannt, sollte auf ersten Befehl des Vaters ebenfalls exekutiert werden. Jedoch und besonders auf Fürbitte einiger Größen wurde Milde geübt. Ihm wurde der Prinzenstatus aberkannt, er wurde zuerst arretiert, später als soldatischer Verwalter eingesetzt. Erst als er zwei Jahre später der Ehe mit der ungeliebten Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zustimmte, wurde er rehabilitiert.

Was für eine Jugend.

 


 Flötenkonzerte, komponiert von Friedrich II
















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