Kalenderblatt für den 26. Juli


Insolvenz

Das Künstlertum und ein braver Finanzhaushalt, das klingt in der Regel unvereinbar. Und oft genug trifft das Klischee zu. So auch bei dem Maler Rembrandt van Rijn. Der erklärt sich am 26. Juli 1656 für zahlungsunfähig.

Kalenderblatt Bild27. Juli – Kalenderkunde
Selbstporträt ca. 1630

Wenn man bedenkt, was Rembrandts Bilder heutzutage auf Auktionen erbringen, erscheint das ziemlich skurril. Das bei Christie’s in London versteigerte Porträt Ein Mann mit den Armen in der Hüfte, brachte 33 Millionen Dollar ein. Bislang der höchste Preis. Aber wie so oft gilt das Genie zu Lebzeiten nichts.

Geboren wurde er am 15. Juli 1606 in Leiden als achtes von neun Kindern. Die Eltern waren Müller und Bäckerstochter. Nach einer calvinistischen Lateinschule folgte ein kurzer Ausflug zur philosophischen Fakultät auf der Hochschule. War aber nicht so seine Sache, das künstlerische in ihm drängte mit Macht zur Malerei. Er ging bei zwei Meistern der damaligen Zeit in die Lehre und ihm wurden die Grundlagen der damaligen Malkunst beigebracht.

Hernach zog es ihn zurück nach Leiden, wo er mit einem Freund eine Werkstatt eröffnete. Mit der Historienmalerei konnte man seinen Lebensunterhalt bestreiten. Mit Sicherheit zu langweilig um es mit so viel Talent bis an das Lebensende zu betreiben aber es brachte das Brot auf den Tisch. Nach einigen Jahren nahmen die beiden sogar Schüler auf und bekamen nach und nach einen bescheidenen Ruf. So bescheiden allerdings dann doch nicht, denn Rembrandt konnte einen Mäzen für sich gewinnen,  Constantijn Huygens, der ihm sogar zwei Aufträge für das englische Königshaus vermittelte.

Das war der Start für eine vielversprechende Karriere. Er wechselte nach Amsterdam, arbeitete fortan alleine und machte weiter Karriere. Es folgten einige Aufträge für Portraits und 1634 heiratete Rembrandt Saskia van Uylenburgh, eine wohlfeile Partie. Sie entstammte einem wohlhabenden Patrizierhaus und diese Partie wertete seinen Status natürlich immens auf. Ganz zu schweigen von ihrem Erbe.

Apropos Erbe. Hier gab es dann die ersten verbrieften Hinweise auf sein (und wohl auch ihr) Ungeschick im Umgang mit Geld. Denn es gab eine Verleumdungsklage Rembrandts gegen die Verwandten der Frau. Die hatten behauptet, dass die beiden verschwenderisch leben würden. Stimmte wohl auch, denn ihr beachtliches Erbe war anscheinend ziemlich verbraucht. In dieser Zeit hatte der Gute sich nämlich u.a. eine beachtliche Sammlung an wissenschaftlichen Objekten, diversen toten Tieren, Pflanzen und exotische Mitbringseln zugelegt.

1642 verstarb seine Frau Saskia und seine Schaffenskraft ließ merklich nach. Hatte er in den Jahren zuvor durch handwerklichen Fleiss eigentlich ganz gut verdient, gab er sich jetzt deutlich mehr der Vaterrolle hin und widmete viel Zeit seinem Sohn Titus. Zwei Frauen begleiteten ihn weiter in seinem unkonventionellen Leben aber die Schulden für Haus und Gut zehrten an ihm. Obgleich durchaus großartige Bilder entstanden und auch verkauft wurden, reichte es einfach nicht. Diverse Angestellte und ein eigentlich viel zu großer Haushalt trieben ihn am 26. Juli 1656 dazu, sich für zahlungsunfähig zu erklären.

Eigentlich hätten das Haus, die eigenen, die fremden Bilder und der restliche Krempel dicke reichen müssen um die Schulden zu begleichen aber die Zeiten waren mies für Kunst und Luxus. Und so blieben die Schuldner auf ihren Forderungen sitzen. Rembrandt zog in ein deutlich bescheideneres Viertel.

In der letzten Zeit hat man bei diversen Bildern festgestellt, dass sie dann doch nicht vom Meister selbst angefertigt worden sind. Zumeist haben Schüler seinen Stil hervorragend kopiert. Aber auch, wenn man die Zahl von 700 Gemälden auf 350 kürzt, bleibt sein Lebenswerk alles in allem  beachtlich. Mangelnden Fleiß kann man nun wirklich nicht unterstellen. Umgang mit Geld? Tja...

 


 
















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