Kalenderblatt für den 24. Juli


Quebec

Als Kanada seine 100-Jahr-Feier beging, rief Charles de Gaulle am 24. Juli 1967 vom Rathausbalkon in Montreal: „Vive le Québec libre!“ („Es lebe das freie Quebec“), und löste damit starke politische Spannungen aus.

Kalenderblatt Bild24. Juli – Kalenderkunde
Die Flagge Quebecs

Kanada, das vermeintlich kalte Land mit irre großen Wäldern und vorbildhaft höflichen Mounties. Land mit Ahornsirup und Eishockey. Ein Land um das sich ehedem und z.T. heute noch Franzosen und Engländer streiten. Ein Land, dass als Amtssprache französisch und englisch hat.

Wenn wir ein wenig näher heranrücken, sehen wir Quebec. Eine Provinz Kanadas, die einen mehrheitlich frankophilen Bevölkerungsanteil hat. Hier ist die einzige Amtssprache französisch, die Flagge ist geziert mit französischen Lilien und die Hauptstadt heißt Montreal. Im Rest von Kanada ist man deutlich anglophiler.

1967 gab es in Montreal eine Weltausstellung, die „expo67“. Eine sündhaft teure Zurschaustellung nationaler Größe aber natürlich zusammen mit der 100-Jahr-Feier Kanadas eine denkwürdige Sache, zu der natürlich der eine oder andere Politiker eilte um irgend etwas belanglos-freundliches über die Kanadier zu sagen. Nicht so der französische Staatspräsident Charles de Gaulle. Er rief das freie Quebec an und spielte damit auf die Separationsbestrebungen der Provinz an, sich unabhängig zu machen.

Zuvor hatte es in der Provinz ab ca. 1960 die sog. stille Revolution gegeben. Vor dieser Zeit war die Regierung in Konservatismus und Korruption erstarrt. Die katholische Kirche hatte das Sozialwesen in der Hand und ausländische Unternehmen beuteten die reichlich vorhandenen Bodenschätze aus. Mit einem Wechsel in der Regierung begannen die stillen aber umso wirksameren Wandlungen. Die Macht der Kirche wurde stark beschnitten, einige Betriebe verstaatlicht und man schuf einen echten Wohlfahrtsstaat. Witzig ist dabei, dass die Geburtenrate der frankophonen Bevölkerung deutlich zurück ging. Obwohl die Kirche doch deutlichst gegen die Empfängnisverhütung zu protestieren versuchte.

Diese überaus erfolgreichen Maßnahmen bestärkten die Quebecer in ihrem Selbstbewusstsein. Man distanzierte sich von der ehedem englischsprachigen Elite, die z.B. durch die amerikanischen Bergbaubetriebe im Land war und gewann ein neues Selbstwertgefühl. Damit einher ging aber leider auch ein Zuwachs im nationalistischen Denken. Es gründeten sich diverse radikale Gruppen, die mit reichlich Bombenanschlägen gewaltsam die Separation Quebecs von Kanada erreichen wollten.

Die Spitze dieser Gewalt war die Terrororganisation Front de libération du Québec (FLQ). Die entführten 1970 den britischen Diplomaten James Richard Cross und den Politiker Pierre Laporte. Letzterer wurde leider ermordet und es kam zur Oktoberkrise, bei der der Notstand ausgerufen wurde und die Staatsmacht versuchte, mit allen Mitteln die FLQ zu zerschlagen. Was ihr auch weitgehend gelang.

Quebec hat sich ein paar Male mit einer Abstimmung darum bemüht, sich aus Kanada heraus zu separieren; zuletzt 1995. Meist mit viel Einflussnahme der verschiedenen Lager aber stets mit dem (knappen) Ergebnis, drin zu bleiben. Immerhin aber erkannte der kanadische Premier die Quebecer am 27. November 2006 als „Nation innerhalb eines geeinten Kanadas“ an.

De Gaulles Ausruf vom Balkon wurde übrigens nach seinem Tod von Biographen als exzentrisch und belanglos abgetan.

 


 

 


 
















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