Kalenderblatt für den 21. Juli


Magdalenenhochwasser

Am dritten Tag vor Maria Magdalena biß auf ihren tag ist der Meyn so groß gewesen, daß das waßer ganz und gar umb Sachsenhausen ist gangen und zu Frankfurt in alle kirchen und gaßen

Kalenderblatt Bild21. Juli – Kalenderkunde
Hochwasser in Würzburg, Augsburger Guckkastenbild von 1784

So beschrieb eine Chronik aus Frankfurt das bisher bekannteste und wohl auch katastrophalste Hochwasser vom 21. Juli im Jahre 1342. Der Name entstand durch die dem Folgetag zugeordnete Dame nach dem Heiligenkalender, dem St.-Magdalenentag.

Schon der Anfang des Jahres war ungünstig. Es gab im Februar eine plötzlich einsetzende Tauperiode, die die ersten Überschwemmungen in Mitteleuropa mit sich brachte. Danach setzte wieder Frost ein und ein nasser, klammer Frühling wurde von einer kurzen Hitzewelle im Juli abgelöst. Dann begannen am 19. Juli intensive Regenfälle, die bis zum 25. des Monats fast ganz Deutschland von unten nach oben eindeckten.

Beinah sämtliche Flüsse traten über die Ufer. Rhein, Main, Donau, Mosel, Moldau, Elbe, Weser, Werra, Unstrut usw. schwollen an und fluteten das Umland, denn kaum ein Damm schützte das Land oder leitete das Wasser. Um die Dimensionen zu veranschaulichen, erinnern Sie sich an die Hochwasser von 1997 oder 2002. Geschätzt wurden diese um das 50-100fache übertroffen.

Dazu kam, dass die vorherige Hitzeperiode die Oberflächen stark verkrustet hatte. Damit konnte weit weniger Wasser als üblich versickern. Das eher als lästig empfundene Amt für Wasserwirtschaft regelt heute viele der wichtigen Dinge, die damals gar nicht vorhanden waren. Landgräben, Schwemmgebiete und Dämme hätten einiges geholfen. So aber konnten viele Äcker an der Oberfläche schlicht und ungehindert abgetragen werden. Unglaublich viele Bereiche waren damit landwirtschaftlich unbrauchbar.

Aus vielen historischen Quellen kann man heute Details entnehmen, und rekapitulieren wie stark alleine die direkten Schäden waren. In den Städten wurden steinerne Brücken eingerissen und man konnte über Stadtmauern und Kirchen mit dem Boot hinwegfahren. Die Stadt Duisburg war bis zu diesem Moment eine erwähnenswerte Handelsmetropole, da sie an einem Arm des Altrheins lag. Der verlagerte sich schlagartig und aus der blühenden Metropole wurde eine Ackerbürgerstadt. Ganze Dörfer verschwanden quasi spurlos und wer sich in höhere Gebiete retten konnte, wurde auch dort von unglaublichen Sturzbächen gefährdet. Noch heute kann man z.B. im Taunus teils 14 Meter tiefe Canyons entdecken, die sich in den wenigen Tagen gebildet hatten.

Noch viel verheerender als die unmittelbaren Ereignisse waren die Folgeschäden. Vermutlich verloren Zehntausende direkt ihr Leben aber in den Jahren danach dürften hunderttausende durch Hunger, Krankheit und Armut gestorben sein. Bei kleineren Überschwemmungen konnte wenigstens der Rest des Landes helfen. Jetzt aber waren schlicht alle betroffen. Bemerkenswerterweise aß man in den folgenden Jahren viel mehr Fleisch, denn das Vieh hatte keine Äcker mehr zum Grasen. Und es brauchte bis in das nächste Jahrhundert, damit sich die Landwirtschaft wieder normalisieren konnte.

Als ob es nicht schon schlimm genug war, kamen 5 Jahre später die großen europäischen Pestepidemien von 1347 bis 1352. Vermutlich hatte das Hochwasser diese Entwicklung begünstigt. Unter anderem bedeutete die Vernichtung des Ackerlandes einen deutlichen Zuzug in den Städten, die sich im Laufe der Jahre auch erst erholen mussten und sicher nicht ideale Lebensbedingungen für Menschen boten. Aber perfekten Nährboden für eine Seuche.

Viele der heutigen Vorgehensweisen würden solch starke Folgeschäden verhindern. Wir bauen höhere Dämme, das Land ist versehen mit reichlich Entwässerungsgräben und wo der Boden durch Bauten und Straßen versiegelt ist, wird oft für Ausgleich gesorgt. Und auch der Bewuchs mit Gehölzen und Wäldern ist um ein etliches höher als damals. Dennoch zeigen die letztjährigen Überflutungen, dass diese Maßnahmen nicht immer ausreichend sind. Fast jeder Klimaforscher beschreibt das Magdalenenhochwasser als einmaligen GAU, dennoch steigert der Klimawandel die günstigen Bedingungen für Starkregen, denn wärmere Luft kann besser Feuchtigkeit aufnehmen.

 


 Eine Dokumentation über das Hochwasser 2002
















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