Kalenderblatt für den 11. Mai


Der Kulturkampf

Am 11. Mai 1873 wurde das erste der sogenannten Maigesetze in Preussen erlassen. Grob formuliert, sollte diese Gesetze den Einfluss der katholischen Kirche im Staat deutlich einschränken.

Kalenderblatt Bild5. Mai - Kalenderkunde
Karikatur aus dem "Kladderadatsch"
Pontifex: „Nun bitte, genieren Sie sich nicht!“ Kanzler Bismarck: „Bitte gleichfalls!“.

Die Trennung von Staat und Kirche wurde damit in Bismarcks Wirkungsbereich eingeläutet. Am 11. Mai griff das erste der Gesetze, was besagte, das eingesetzte Geistliche staatliche Schulbildung, Studium und eine bestandene Prüfung vorweisen mussten. Ebenso hatte die Obrigkeit das Recht, einer Ernennung zu widersprechen, wenn die Person mutmasslich ungesetzlich oder wider dem öffentlichen Frieden handeln wollte.

Weitere Gesetze folgten, Orden wurden verboten, die Finanzen der Kirche wurden weltlich verwaltet, Bischöfe wurden enteignet.

Preussen war nicht der erste Staat, der sich gegen die Kirche wehrte. Und auch die Protestanten waren betroffen, im Mittelpunkt stand aber die katholische Kirche, die durch ihre immensen finanziellen Mittel und politischen Positionen einen Einfluss hatte, der seinesgleichen kaum fand.

Unter dem Begriff der Säkularisation hatten schon einige, weitreichende Enteignungen der Kirche stattgefunden. Die wohl größte geschah unter der Regentschaft Napoleons. Und doch hatte die Kirche noch eine immense Macht, die jenseits des Staates lag. Z.B. waren Eheschliessungen Sache der Kirche und der Papst befand offiziell, dass Rede- und Religionsfreiheit ganz dumme Erfindungen seien.

Aber der Zeitgeist verlangte Änderungen. Und dabei waren Fürst Bismarck und Papst Pius IX die Köpfe des Streits. Hier prallten ganz besonders kontroverse Ansichten aufeinander.

Wer aber auch jetzt noch meint, dass die Trennung von Staat und Religion eine Selbstverständlichkeit sei, sollte die historisch gewachsenen Dinge bitte auch berücksichtigen. Denn die Kirchen hatten seit jeher viele soziale Verpflichtungen übernommen, die sich nicht gradlienig verstaatlichen liessen. Krankenhäuser, Schulen, Waisenheime uvm. wurden von einer Heerschar an kirchlichen Personen betreut. Diese arbeiteten zu großen Teilen unentgeltlich oder in Form des Ehrenamtes. Das hätte nicht gestrichen werden können ohne den Sozialstaat zu zerbrechen.

Bismarck einigte sich mit der Kirche, nachdem Papst Pius im Jahr 1875 starb. Sein Nachfolger zeigte sich deutlich liberaler und beide konnten auf diplomatischem Weg Kompromisse erarbeiten. Aber seine Maigesetze waren klare Statements und halfen nicht nur in Europa, die Allmacht der Kirche in klare Schranken zu weisen.

Wir sind heute noch weit davon entfernt, Staat und Religion sauber zu trennen. Zu viele historisch gewachsene Schwierigkeiten und viel Beton in den Köpfen verhindert das. Jedoch stellt die größere Toleranz heutzutage immer mehr alte Strukturen in Frage und der Ruf nach weiteren Reformen wird lauter. Noch immer ist in einigen Bundesländern die Kirche in den Verfassungen verankert.

Aber wie ein Blogger unlängst schrieb: "Was jammert ihr immer wegen der Trennung von Staat und Kirche? Weckt mich, wenn wir bei der Trennung von Staat und Wirtschaft sind, das wär mal was..."

Hier ein schönes Erklärvideo, dass tiefer ins Detail geht
















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