Kalenderblatt für den 11. Januar


Élisabeth

Madame Vigée-Lebrun, eine herausragende Portraitmalerin und dazu noch eine wahre Schönheit, heiratete am 11. Januar 1776 Jean-Baptiste-Pierre Lebrun. Seines Zeichens ebenfalls Maler und Kunsthändler.

Kalenderblatt Bild11. Januar – Kalenderkunde Selbstportrait ca. 1800, Louise Élisabeth Vigée Le Brun (1755–1842)

Doch es geht um Madame. Die damaligen Lebensverhältnisse sind mit den unsrigen oft nicht sinnvoll zu vergleichen. Geboren 1755 in Paris, wurde sie mit drei Monaten zu einer Bauernfamilie gebracht, wo sie für fünf Jahre blieb. Danach kam sie in ein Klosterinternat. Dinge, die ich mir bei meinen Kindern einfach nicht vorstellen kann. Aber eventuell war der Bauernhof die deutlich gesündere Alternative zu der stinkenden Pariser Luft.

In dem Internat erkannte man zum ersten Mal ihre Begabung für das Zeichnerische. Da ihr Vater selbst Maler war, verliess sie mit 12 Jahren diese Schule und wurde fortan von ihrem Vater ausgebildet. Leider verstarb er einige Zeit später aber Louise-Élisabeth setzte ihren Weg fort und nahm Unterricht bei einigen namhaften Künstlern.

Bereits mit 15 Jahren verdiente sie sich erstes Geld mit Portraitzeichnungen. Laut einiger Geschichten soll sie eins der schönsten Pariser Mädchen gewesen sein. Und auch ihre Selbstportraits unterstützen diese Annahme. An Verehrern mangelte es nicht, doch sie wies letztere ab. Ihr kleines Atelier wurde jedoch mangels Lizenz geschlossen. Frauen hatten es nicht einmal in diesem Gewerbe einfach.

Die Académie de Saint-Luc war damals eine Kunstschule, geöffnet für jedermann/frau. Benannt nach dem heiligen Lukas, dem Schutzpatron der Maler. Diese Schule war ein Gegengewicht zu der etwas hochnäsigeren Académie royale.

Bilder von Madame Vigée-Lebrun

Jedenfalls bemühte sich Louise-Élisabeth erfolgreich, ein Mitglied der Académie de Saint-Luc zu werden, allein schon um eine Legitimation für ihr Schaffen zu haben. Die Mutter hatte sich inzwischen neu verheiratet und die Familie zog in eine Wohnung im Hôtel Lebrun in der Rue de Cléry, das ihrem zukünftigen Mann gehörte. Zwei Jahre später, am 11. Januar 1776, heirateten sie. Vier Jahre danach kam ihre Tochter zur Welt.

In dieser Zeit begann sie ernsthaften Erfolg zu haben. Marie Antoinette (die Dame mit dem Kuchen), wurde erfolgreich porträtiert, was den perfekten Einstieg in die adligen Kreise bedeutete. 1783 wurde sie auch in der hochnäsigen Akademie im Range einer Portraitmalerin aufgenommen. Nicht ganz freiwillig seitens der Akademie aber wenn Ludwig XVI. freundlich bittet, widerspricht man sicher nicht. Dafür hatte Marie Antoinette im Hintergrund gesorgt.

Der Erfolg

Ihr Ruhm und ihr Erfolg wuchsen. Leider auch die Zahl der Neider. Ihr wurde mit Hilfe eines fingierten Briefes eine Affäre mit dem damaligen Finanzminister unterstellt. Die Presse stellte sie in denkbar ungünstigem Licht dar. Insgesamt sollte das aber weniger eine Rolle spielen, denn die Revolution warf ihre Schatten voraus.

Als Versailles erstürmt wurde, packte Élisabeth eilends ihre Koffer und flüchtete mit ihrer Tochter nach Italien. Ihr Mann blieb. Die Reisen im Ausland bedeuteten keineswegs das Ende ihrer Arbeit, ganz im Gegenteil. Sie konnte sich weiter in gehobenen Kreisen bewegen und verdiente recht gut. Allerdings wurde sie als Royalistin angesehen. Was bedeutete, dass sie ihre französischen Bürgerrechte verloren hatte und auf der Liste der Emigranten stand.

Ihr Mann, sowie ihr Bruder setzten sich vehement für die Rückkehr ein, bekamen dadurch allerdings ziemlichen Ärger. Schließlich musste Lebrun sogar die Scheidung formell einreichen um sich, seinen Besitz und die Familie zu schützen. Élisabeth war weiter im Exil. Sie ging nach St. Petersburg, wo sie von der Zarenfamilie gefördert wurde und dadurch reichlich Aufträge bekam. Es gelang ihr, recht vermögend zu werden.

Endlich, nach 12 Jahren und vielen Bittschriften seitens wichtiger europäischer Personen, konnte sie nach Paris zurück. Sie galt nicht mehr als Emigrantin. Mehr noch, sie bekam weiter wichtige Aufträge aus ganz Europa.

Gestorben ist sie im damals sehr gesegneten Alter von 86 Jahren. Vorher schrieb sie mit Hilfe ihrer Nichten ihre Memoiren, die einen wichtigen Einblick in die damalige Künstlerwelt gaben. Sie hinterließ ca. 660 Portraits und 200 Landschaftsbilder, die heute überall in der Welt in Museen zu finden sind.
















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