Kalenderblatt für den 4. Januar


Gifthexe

Justizmord als Begriff wurde zum ersten Mal bekannt, als ein Freidenker in der Zeitung Reichspostreuter vom 4. Januar 1783 über die Hinrichtung der Anna Göldi berichtete.

Kalenderblatt Bild4. Januar – Kalenderkunde Nachempfundenes Porträt Anna Göldis von Patrick Lo Giudice. Das Bild hängt im Anna-Göldi-Museum, Mollis.

Besagter Freidenker war August Ludwig von Schlözer. In diesem besagten Artikel prägte er den Begriff des Justizmordes womit er meinte, dass ein Unschuldiger infolge von Mißbrauch des Rechts oder gar Irrtum um sein Leben gebracht wird.

Sein Beispiel war die Hinrichtung der Anna Göldi. Dieser Prozess war in vielen Formen bemerkenswert. Unter anderem, weil es die letzte ‚legale‘ Hexenhinrichtung in Europa war. Zwar nicht die letzte Anklage und es wurde im Urteil tunlichst vermieden, die Worte Zauberei oder Hexerei zu benutzen. Aber allen Beteiligten war glasklar, was sie da taten.

Anna Göldi war Dienstmagd in der Schweiz und entstammte armen Verhältnissen. Damit war sie in Sachen Justiz per se benachteiligt. Als ihr erstes uneheliches Kind nach der Geburt starb, wurde sie des Kindsmordes verurteilt. Ein zweites Kind wurde von ihrem damaligen Dienstherren gezeugt. Es kam in Strassburg zur Welt und wurde gleich in fremde Hände gegeben.

Später arbeitete sie bei einer gewichtigen Person namens Johann Jakob Tschudi. Selbiger war Arzt, Ratsherr, Richter und Regierungsrat. Reich und einflussreich. Die Familie hatte einen vermögenden Schwager namens Ruedi Steinmüller mit denen sie in Erbstreitereien lagen.

Möglich sind zwei Dinge, ggf. treffen auch beide zu. Sie könnte ein Kind von ihrem Arbeitgeber erwartet haben und sie könnte sich dem Schwager zugeneigt gefühlt haben. Welcher ja im Streit mit dem Hausherren lag. Die Aufdeckung der Beziehung zu ihrem Arbeitgeber hätte ihn die Karriere gekostet, überführte Ehebrecher sind nicht amtsfähig. Perfekter Stoff für dramatische Drehbücher.

Um sich der Göldin zu entledigen, ersann man eine widerliche Geschichte. Die Tochter solle eine Leckerei bekommen haben, die mit Nadeln gespickt war. Ebenso solle sie vorher mehrfach Nägel in die Milch der Kleinen gezaubert haben, die sie dann unter Qualen ausspucken musste.

Und so wurden gleich zwei Probleme gelöst. Die Göldin wurde der Hexerei angeklagt und der Schwager als Mittäter verhaftet. Unter der Folter gestand die Magd natürlich, mit dem Teufel im Bund gewesen zu sein. Der Schwager ahnte wohl die Aussichtslosigkeit und erhängte sich vor der Folter. Das wurde natürlich als Schuldeingeständnis genommen und sein Vermögen wurde beschlagnahmt.

Anna Göldi wurde vom Glarner Rat am 13. Juni 1782 zum Tode verurteilt. Man führte sie umgehend zum Galgenberg hinauf, wo man ihr den Kopf mit einem Schwert abschlug. Offiziell als Giftmörderin, eigentlich aber als Hexe hingerichtet.

Schon damals gab es Widerstand gegen dieses himmelschreiende Unrecht. Der Gerichtsschreiber Johann Melchior Kubli schmuggelte unter Lebensgefahr Akten aus dem Prozess. Da die ganze Sache unter Geheimhaltung lief, hätte ihn das auch den Kopf gekostet. Ein Journalist namens Lehmann und besagter Ludwig von Schlözer beschäftigten sich mit dem Fall und sorgten für ein wenig Aufruhr damit.

Heute gibt es ein Mahnmal in Glarus. Vom Gerichtsgebäude strahlt aus Dachfenstern Licht, das an Anna Göldi und alle anderen Opfer der Justiz erinnern soll.

 

Der Trailer zu einem Spielfilm über ihr Leben
















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