Kalenderblatt für den 3. Januar


Briefpapier

Jürgen Möllemann trat am 3. Januar 1993 als Vizekanzler und Wirtschaftsminister zurück. Ihm wurde in der Briefbogen-Affäre vorgeworfen, den Vetter seiner Frau geschäftlich begünstigt zu haben.

Kalenderblatt Bild3. Januar – Kalenderkunde
Jürgen Möllemann 2002, Foto aufgenommen von Ingo Kramer, info@volmefoto.de

Angefangen hatte seine politische Karriere bei der CDU. Dort war er Mitglied von 1962 bis 1969. Danach wechselte er zur FDP. Von 1972 ab war er bis 2000 Mitglied des deutschen Bundestags. Wichtiger als die Ämter, die er im Laufe seiner Zeit hatte, war wohl die Zeit, in der Hans-Dietrich Genscher sein Mentor war. Dort arbeitete er als Staatssekretär im auswärtigen Amt. Nach der Bundestagswahl 1987 wurde die schwarz-gelbe Koalition fortgesetzt und er bekam den Ministerposten für Bildung und Wissenschaft.

Möllemann polarisierte stark und ebenso hatte seine Karriere deutliche Hoch- und Tiefpunkte. In seinen Ministerposten konnte er deutliche Erfolge vorweisen. Im Jahr 1993 hatte er es bis zum Wirtschaftsminister und Vizekanzler geschafft.  Alles in der Ära Kohl.

Neben Erfolgen warfen aber einige Handlungen einen ‚leichten‘ Schatten auf seine Karriere. Er setzte sich offensiv für Rüstungsexporte ein. Das an sich war nicht verdächtig, doch nach und nach stellte sich heraus, dass er mit Rolf Wegener befreundet war und gemeinsame Geschäfte tätigte. Wegener galt, freundlich formuliert, als umtriebig. Es wurden Fußballer zu Möllemanns Verein transferiert, es sollten Panzer verkauft werden, wobei Wegener als Vermittler gearbeitet hat und es wurde eine gemeinsame kleine Fluggesellschaft gegründet. Und wir reden über keine kleinen Beträge.

Apropos kleine Beträge: Erinnern sie sich noch daran, dass plötzlich alle Einkaufswagen nur noch mit einer D-Mark benutzt werden konnten? Das machte vermutlich Sinn, die Zahl der in Hinterhöfen herumstehenden oder im Knick liegenden Wagen nahm deutlich ab. Eine Mark hatte eben doch ihren Wert.

Ein Vetter von Möllemanns Frau stellte damals Schlüsselanhänger her, mit einer Plastikscheibe drin. Die konnte man als Ersatz für die D-Mark-Münze nehmen. Und damit die Sache so richtig erfolgreich werden sollte, bekam anscheinend der Herr Hilfe von seinem Vetter, dem Wirtschaftsminister. Auf dessen ministeriellen Briefpapier gab es eine klare Empfehlung für dieses ‚pfiffige‘ Produkt, geschrieben an die Vorstände der großen Supermarktketten.

Diese offenkundige Vermischung von Amt und Geschäft regte sowohl Presse als auch andere Politiker auf. Möllemann betonte zuerst, dass er davon nichts gewusst habe, solche Blankopapiere lägen immer auf seinem Schreibtisch für Notfälle. Hätte er die ganze Sache gradlienig zugegeben, wäre die Sache vielleicht zu überstehen gewesen. Aber die sturköpfige Leugnung sorgte für viel zu viel Wirbel. Schließlich war der Druck zu groß und Jürgen Möllemann trat am 3. Januar 1993 als Vizekanzler und Wirtschaftsminister zurück.

Man kann nicht über Herrn Möllemann schreiben, ohne auch sein Ableben zu erwähnen. Er hatte nach dieser Affäre in der FDP durchaus ein kleines Comeback. Auf dem Weg zu deutlich mehr Prozenten für seine Partei eckte er aber wieder und wieder an. Im Frühjahr 2002 kritisierte er scharf die Politik Israels und insbesondere die Scharons. Soweit, so gewagt als deutscher Politiker. Als er jedoch deutliches Verständnis für die Selbstmordattentate der Palästinenser äußerte und sich mit dem Zentralrat der Juden stritt, wurde er schwer tragbar. Möllemann selbst wollte sich keinesfalls als Antisemit sehen und brachte auf eigene Kosten ein Faltblatt heraus, dass in NRW an alle Haushalte verteilt wurde. Darin verteidigte er seine Haltung und griff Michel Friedmann und Ariel Scharon deutlich an.

Damit rückten auch die letzten Freunde neben ihm einen Platz weiter weg. Zu all diesen Dingen kam dann noch die Frage, wie die knappe Millionen für das Faltblatt zur FDP gekommen sei. Möllemann hatte die Summe gestückelt und der Partei überwiesen um nicht als Großspender angegeben zu werden. Damit wurden auch staatsanwaltliche Untersuchungen ausgelöst, denn die Stückelung von Spenden gilt als Straftat.

Die Untersuchungen und Vorwürfe gingen so weit, dass seine Immunität am 5. Juni 2003 aufgehoben wurde. Eine halbe Stunde später sprang Jürgen Möllemann aus einem Flugzeug und landete tödlich mit ungeöffnetem Fallschirm. Das beendete die Nachforschungen aber bis heute nicht die Spekulationen.
















Kalenderkun.de

verwendet bewusst keine aufwändigen Techniken. Kein Javascript, keine eigenen Cookies, kein Flash. Lediglich ein wenig php im Hintergrund und handgeschriebenes HTML.

Als einzige Werbung kommen bei den Artikeln Dinge wie Buch- oder Filmempfehlungen vor. Die stehen aber handverlesen in Zusammenhang zum Thema.


All die rechtlichen Dinge


Impressum
Datenschutzerklärung
Kontakt