Die Entstehung der Kalender


Am Anfang der Menschheit war uns ein Morgen oder Gestern vollkommen egal. Grunzend, mangels brauchbarer Sprache lebten wir wahrscheinlich im Jetzt und Hier. Wozu planen?

Kalenderblatt BildDie Entstehung der Kalender – Kalenderkunde

Bedürfnisse wurden auf der Stelle befriedigt, die netten Beeren sofort gegessen und erschlug man etwas essbares, wurde es auf der Stelle vertilgt und die Reste vergammelten ungebraucht.

Sicher, es gab ja Rhythmen, die auch diese ersten menschlichen Kreaturen beeinflussten. Aber die Notwendigkeit, sie vorherzusagen war nicht, noch nicht gegeben.

Man hat festgestellt, dass ein differenziertes Zeitgefühl abhängig von der Stufe der Entwicklung ist. Keine ganz überraschende Erkenntnis, erwartet man doch wirklich nicht das zwei Blaualgen sich für morgens verabreden oder das Schildkröten einen ernsthaften Sinn für die langweiligen Sonntagnachmittage haben.

Tatsächlich haben sogar unsere sympathischen Nachbarn, die Affen ein grauenhaftes Zeitgefühl. Jedenfalls im Vergleich zu unserem. Es liegt also nahe, dass die Zeitmessung von aussen vorgegeben wurde. Aufgedrängt durch Ereignisse und Notwendigkeiten. Und verfeinert mit steigendem Intellekt.

Diese Ereignisse sind zuerst Tag und Nacht. Sofern man die Sache mit dem Feuer schon drauf hatte, machte es Sinn, sich ein schützendes Lagerfeuer abends anzuzünden, denn dann kamen die Raubtiere. Und frühmorgens gingen manche Beutetiere bevorzugt zur Tränke. Diese tägliche Sache mit der Sonne war einfach zu verstehen und furchtbar wichtig, denn schliesslich beeinflusst es uns nach wie vor immens. Was wäre die Literatur ohne Sonnenaufgang?

Als unsere Vorfahren etwas planvoller vorgehen wollten, machten sie eine weitere Entdeckung. Es gab längere Zyklen, nämlich die Jahreszeiten. Die waren nicht überall gleich stark ausgeprägt aber wenn man als Nomade in eine Gegend, sagen wir mal, von Zentralafrika in den Mittelmeerraum kam, dann waren die Winter schon zu spüren. Und auch zu sehen, denn je weiter nördlich oder südlich vom Äquator man war, desto stärker fiel auch der unterschiedliche Tag- und Nachtrhythmus aus. Sprich, hier in Europa waren die Sommertage deutlich länger und der Winter allgemein sehr viel kälter. Was im übrigen automatisch Einfluss auf das menschliche Verhalten, insb. den Stoffwechsel nimmt. Man ist einfach träger, wenn es früher dunkel wird.

Und durch diese Gegebenheit wurde es sinnvoll, sich den Zyklen planvoll anzupassen. Herden zogen saisonbedingt durch die Weiten, der Herbst bot Früchte in grosser Fülle und früh genug vor dem Schnee musste man eine kuschelige Heimstatt finden, die man mit den neuesten Mammutfellen auskleiden konnte.

Unsere Entwicklung ging in unterschiedlich schnellen Schritten voran. Während die einen Völker noch wanderten, experimentierten die anderen schon mit dem Ackerbau. Es wird wohl ungeklärt bleiben, ab wann der Sippenälteste Kerben in den Stosszahn geschnitzt hat um Tage zu zählen oder ab wann Stecken in die Erde gerammt wurden um den Sonnenaufgangspunkt zur Jahreswende zu markieren. Aber irgendwann begann wohl in jeder Jungkultur die Kalendermessung. Vielleicht zählte man Jahre, vielleicht Vollmonde im Sommer.

Geboren aus der Notwendigkeit wurde mit steigender Intelligenz bzw. Kultur mit Sicherheit irgendeine Zeitmessung eingeführt. Mal galt es, sich zu einer wichtigen Party zu verabreden, mal das Alter einer Sache oder eines Ereignisses festzuhalten. Die Party war vielleicht das rituelle Frühlingsfest, das Alter vielleicht die Gründung einer Siedlung. Vermutlich stieg der Bedarf an diesen Dingen mit wachsender Sicherheit. Eine feste Siedlung zählt gerne die Jahre, ein wandernder Stamm wird wohl jede Gelegenheit gefeiert haben, noch am Leben zu sein. Egal wo der Mond gerade stand.

Und das führt auch gleich zu den beiden grossen Eckpfeilern der Kalendersysteme, Mond- und Sonnenkalender. Wollen wir noch nicht von komplexeren Dingen ausgehen, nehmen wir einfach die leicht zu beobachtenden Sachen. Die Sonne steht mal höher, mal niedriger am Horizont. Das zu messen ist keine Kunst, es erfordert lediglich ein wenig Langmut. Und ein paar Stöcker. Mal sind Tage und Nächte gleich lang, mal besonders unterschiedlich. Einher geht damit zumeist ein saisonaler Naturwandel, sprich, hier in Europa war es angeraten, die Höhle in Schuss zu bringen, wenn die Tage kürzer wurden.

Schwieriger, aber vermutlich auch faszinierender war die Beobachtung des Mondes. Er ist zwar beeindruckend konstant im Zyklus aber leider lässt sich eine Paralelle zum Sonnenverlauf nur schwer finden. Man kann mit einfachen Methoden nur sehen das die Menge der Mondphasen nicht ganz rund in das solare Jahr hineinpasst. Daher gibt es überall nur vier grundsätzliche Kalendermodelle. Zuerst der rein solare, dann der rein lunare, sodann lunisolare Modelle und schliesslich Kalender ohne jeden astronomischen Bezug.

Die Sonne definiert unser Jahr, daher ist sie das wichtigste Instrument zur Langzeitmessung. Sie teilt ebenfalls das Jahr in Viertel, unsere Jahreszeiten. Der Mond dagegen bietet einen kürzeren Zyklus, der ein wenig kürzer als ein Sonnenmonat ist. Allerdings ist er leichter zu messen. Warum die verschiedenen Systeme in ihrer Gründung mal das eine, mal das andere bevorzugt haben, wird wohl ein dunkles Geheimnis bleiben. Es bleibt zu erwähnen das dem Mond oft ein Einfluss auf die Fruchtbarkeitszyklen zugesprochen wurde. Daher kommt auch heute noch z.B. dem ersten Vollmond nach dem Frühlingspunkt besondere Bedeutung zu.

Mit zunehmender Kultivierung entstand ein grösserer Bedarf an Genauigkeit. Auch mit wachsenden Verwaltungsgrenzen musste eine Vereinheitlichung im Datum geschaffen werden. In Ländern, die nun etliche Tagesreisen groß waren, musste der Steuern oder der religiösen Feste wegen das System auch festgehalten werden damit es zu keinen, oder sagen wir mal weniger Irrtümern kam. Ebenfalls wichtig ist eine gewisse Vorausplanung in der Landwirtschaft. Wie viele Tage sind es denn noch bis zum Frühlingsmond? Wann ist das Erntefest?

Daher wurden unabhängig voneinander durchaus ähnliche Kalender geschaffen. Die Beobachtung des Himmels wurde vereinfacht indem man dafür nützliche Bauten errichtete. Berühmtes Beispiel dafür ist Stonehenge aus der Jungsteinzeit. Hier wurden diverse astronomische Gegebenheiten mit einer beeindruckenden Exaktheit gemessen. Wahrscheinlich stellten solche aufwendigen Bauten quasi auch Mittelpunkte der entsprechenden Kultur dar. Wer das genaue Datum definiert, hat mit Sicherheit mehr Macht, denn er bestimmt die wichtigen Tage im Jahr. Versammlungen, Erntezeiten, Steuerabgabetermine uvm. Obwohl wir selbst mit den heutigen Atomuhren das mit der Steuerabgabe noch immer nicht so recht im Griff haben.

Jedenfalls markierte eine feste Kalendermessung wahrscheinlich das Ende der Jägerära und den Übergang zum Ackerbau. Stonehenge und andere Bauten, die astronomischen Zwecken dienten, sind ungefähr aus dem vierten bis dritten Jahrtausend vor Christi. Die ältesten erhaltenen Kalendersysteme stammen von den Ägyptern und Mesopotamiern wobei die Gelehrten noch heute darüber streiten wann genau diese Kalender eingeführt wurden.

Der ägyptische Verwaltungskalender ist ein sehr anschauliches Beispiel von welchem Nutzen die Zeitmessung für die Landwirtschaft war. Entlang des Nils gibt es ein sehr verlässliches Hochwasser, die sog. Nilschwemme. Damals begann die Schwemme mit Sichtbarkeit des Sterns Sirius zum Sonnenaufgang und war damit ein, wenn nicht sogar der bedeutendste Augenblick im Jahr, denn hier setzt die Fruchtbarkeitsperiode ein, die die Landwirtschaft des gesamten Landes definiert. Diese Periode dauerte 4 Monate, den Rest des Jahres hat man dann in 4 Monate Aussaat und ebenfalls 4 Monate Ernte eingeteilt. Man konnte dort mit einfachen Mitteln messen, wann der Sirius zum erwarteten Zeitpunkt am Horizont steht und daraus einen Kalender ableiten. Dieser Tag ist auch der ägyptische Neujahrstag.

Paralell dazu gab es noch den bürgerlichen Kalender, der seine Einteilung nach den Mondphasen ausrichtete. Dieser wurde vordringlich für religiöse Belange genutzt, da sich die Hochfeste nach den Mondphasen richteten.

Das wohl interessanteste Problem bei den astronomischen Kalendern ist der Umgang mit der unrunden Anzahl an Tagen im Jahr. Da wir den Sonnenumlauf als Massgabe nehmen, haben wir eine Tageszahl von 365,2425. Man kann also keine feste Tageszahl für jeden Monat nehmen. Die uns bekannte Ausnahme ist nun, jedes vierte Jahr einen zusätzlichen Tag einzufügen. Damit kann man das Problem für ein paar Jahre ignorieren. Leider jedoch verschiebt sich damit unaufhörlich z.B. der Frühlingspunkt, da es nun mal nicht genau ein viertel Tag mehr ist. Daher muss auch von dieser Regel eine regelmässige Ausnahme gemacht werden. Jetzt könnte man postulieren, das der Umgang mit dem Schaltjahr einen Rückschluss auf die Fortschrittlichkeit in der Kultur zulässt. Aber das wäre wohl ungerecht.

Aus der Zeit der römischen Blüte kommt der julianische Kalender, benannt nach seinem Gründer Julius Caesar. Dieser hat die Länge der Monate des alten römischen Kalenders angepasst und sich vermutlich mit ägyptischen Gelehrten über die Schaltjahresproblematik unterhalten. Daher wurde, nach einigen Anfangswirren, jedes vierte Jahr im Februar ein Tag hinzugefügt. Diese Zählung blieb uns bis zum Jahr 1582 erhalten. Erst dann hat Papst Gregor eine Korrektur vorgenommen und genauere Schaltjahresregeln verfasst. Dieser sog. gregorianische Kalender ist inzwischen fast überall in der Welt der Standardkalender.

In den letzten Jahren ist die Notwendigkeit zur Genauigkeit immer weiter gestiegen. Als wir die Schiffahrt zu Zeiten Isaac Newtons in immer grösserem Umfang betrieben, bedurfte es zum Beispiel guter Kalendertabellen und einer minutengenau gehenden Uhr um neben dem Breitengrad auch ebenso den Längengrad einigermassen bestimmen zu können. Heutzutage benutzen wir unglaublich feine Uhren um in Netzwerken die Datenpakete auf eine zehntausendstel Sekunde zu synchronisieren. Voraussetzung, um so etwas wie das Internet überhaupt nutzen zu können. Und mit dieser Fähigkeit, die Sekunde auf ein hunderttausendstel genau bestimmen zu können, erscheint ein jahrhunderte alter Kalender mit seinen ungewöhnlichen Abweichungen schon etwas antiquiert.

Aber ein rein mathematischer Kalender wäre ziemlich langweilig und steril. Daher haben sich auch einige Reformversuche neuerer Zeit, um den Kalender einfacher und genauer zu gestalten, nicht einmal im Ansatz durchsetzen lassen. 1923 prüfte der Völkerbund unterschiedliche Vorschläge. Unter anderem wollte man das Jahr immer mit einem Sonntag beginnen lassen, die Monatslängen angleichen und Ostern auf einen festen Termin legen. Allerdings unterbrach der 2. Weltkrieg diese Pläne, die aber danach der UNO vorgelegt wurden. Zur Erleichterung vieler wurden die Änderungen aber nicht beschlossen.

Inzwischen haben wir zwar fast überall offiziell den gregorianischen Kalender, arbeiten aber heimlich doch mit einer Menge anderer Varianten. Z.B. benutzen unsere Rechner verschiedene Versionen des julianischen Datums und natürlich betrachten wir die Jahreszeiten. Und je nach Grad der esoterischen Einstellung schauen wir auch auf die astrologische Einteilung des Jahres. Dann gibt es noch eine Menge an lokalen oder religiösen Varianten, wir werden also immer verschiedene Systeme benutzen.

Der wohl wichtigste Grund ist die Schönheit und unsere persönliche Verbundenheit mit den einzelnen Systemen. In unserer jeweiligen Literatur und im Liedgut sind allein schon die Monatsnamen fest verbunden und wir verknüpfen persönliche Ereignisse mit den Kalenderdaten. Daher ist der Autor gegen eine Neuschaffung der Kalenderregeln. Ausser man würde mal endlich die Sommerzeit abschaffen.










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