Ein eigener Kalender


Warum sollte man ein eigenes Kalendersystem entwerfen? Okay, vielleicht ein wenig aus Trotz dem alten, doch sehr kirchlich anmutendem Design gegenüber, vielleicht auch aus Unverständnis gegenüber den vielen anderen Varianten. Oder wissen sie, wie der islamische Kalender aufgebaut ist?

Kalenderblatt BildKalenderkunde – Die Sonne in einer Röntgenaufnahme
„Sun in X-Ray“ von NASA Goddard Laboratory
Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons

Betrachten Sie das folgende doch einfach als Gedankensport. Mehr sollte es nicht sein, denn Leuten mit einer eigenen Zeitrechnung steht man im allgemeinen ja sehr skeptisch gegenüber. Da wäre der Titel „Spinner“ noch das harmloseste.

Fangen wir bei einem ganz neuen Kalender bei absolut 0 an.
Nehmen wir an, es gäbe keine Zeitmessung. Noch gar nichts. Kein Smartphone, keine Tagesschau oder die laute Kirchenglocke gegenüber. Ein leerer Raum, eine Sitzgelegenheit, vielleicht ein Fenster. Wir sitzen, lauschen und schauen. Was nehmen wir wahr? Was bestimmt unsere großen und kleinen Rhythmen?

Das erste ist nicht sehr genau und dummerweise auch nicht zuverlässig, unser Herzschlag. Das bestimmt tatsächlich oft unser Zeitempfinden. Ist allerdings eher im poetischen Umfeld nützlich, da das wie gesagt nicht sehr präzise ist. Wäre mein Herzschlag bei ca. einer Sekunde bräuchte ja nur Scarlett Johannson vorbei zu gehen und schon wär die Genauigkeit dahin. (okay, nehmen sie Frau Johannson bitte als Metapher und setzen sie meinetwegen was anderes ein, iPhone 12, George Clooney, die Flippers, wie es beliebt)

Gehen wir zu den äußeren Dingen über. Sonnenschein, klar. Tagsüber. Und nachts den Mond. Das wären vier der Kernbegriffe. Sonne, Mond, Tag, Nacht. Unser erster Rhythmus, denn ein Kalender ohne Tageseinteilung wäre wohl nicht sinnvoll. Morgens geht die Sonne auf, abends unter. Im Winter mehr Schlaf, im Sommer weniger.

Langsam, das war zuviel. Tag und Nacht, sicher. Manchmal sind die Tage länger. Bevor wir aber den Jahresrhythmus bestimmen, lassen sie uns den Tag festlegen.

Die Summe von Tag und Nacht bildet den gesamten Tag und ist in seiner Länge immer gleich. Okay, wann beginnt aber der nächste Tag? Morgens, wenn die Sonne aufgeht? Mein Vorschlag wäre, dem Tag nicht nur Sonnenauf- und Untergang zu geben sondern auch noch Mittag und Mitternacht in ihrer ursprünglichen Bedeutung, nämlich die Mitte der genannten Periode. Und lassen sie uns ruhig die Mitternacht dann als Tageswechsel nehmen. Der neue Tag beginnt und endet im Dunklen. Also wird der Beginn des Tages im Laufe des Jahres verschoben, nur die Tageslänge ist eine feste Größe.

Nehmen wir jetzt das Jahr, gut vergleichbar mit dem Tag. Ebenfalls leicht messbar und auch durch vier wichtige Punkte geteilt. Nämlich die Tage, wo entweder Tag und Nacht gleich lang sind oder an denen der eine der beiden besonders lang ist. Die sog. Äquinoktien. Also haben wir ebenfalls eine messbare Periode, mit einer Gesamtlänge von 365,2425 Tagen. Prägnant unterstützt durch das Wetter sind für uns die vier Jahreszeiten fest mit diesen Vierteln verbunden. Wenn wir uns auch noch auf einen Beginn einigen, haben wir das wichtigste geschafft. Hier empfehle ich den Frühlingspunkt, damit die Einteilung ähnlich wie beim Tag in der dunklen Periode liegt.

Jetzt haben wir bislang einen reinen, solaren Kalender.
Aber ebenfalls prägnant ist der Mond, mit seiner Monatslänge. Von Neumond zu Neumond vergehen ca. 29,5 Tage. Bedauerlicherweise passt diese Länge nicht glatt in unseren Jahresrhythmus. Aber da der Mond für die Natur einen entscheidenden Einfluss nimmt (Ebbe und Flut, Wachstumsperioden, Verhalten der Tiere) sollten wir ihn im Kalender berücksichtigen. Ein weiterer Grund ist, das eine Vollmondnacht besser zu erkennen ist als eine Tagundnacht-Gleiche.

Definieren wir kurz: Ein Mondmonat dauert von Neumond zu Neumond. Der erste zu zählende, könnte der erste Neumond nach dem Frühlingsmond sein. Damit kann das Jahr also 12 oder 13 Mondmonate haben.

An dieser Stelle tritt ein etwas anstrengendes Problem für Chronisten auf. Nehmen wir an, man gäbe Ihnen als gestandenem Historiker das Datum „Am 18. Tag im 7. Mond des Jahres 123“. Das würde zwar eine genaue Datierung sein, wäre aber schwierig mit der eigenen Kalenderrechnung zu vergleichen.

Ich schlage vor, das wir zwei Sorten von Monaten nehmen. Ich glaube, das bekommen wir hin. Vorweg, wir können mit Hilfe der Astronomie ziemlich exakt den Frühlingspunkt bestimmen. Wenn Sie allerdings Abstand von moderner Technik nehmen möchten, kann man auch die relevanten Eckpunkte im Jahr mit reiner Beobachtung bestimmen. Was dazu benötigt wird, ist ein recht großer Steinkreis mit festen Beobachtungspunkten. Und geduldige Beobachter, die Markierungen in den Stein hauen können.

Im Allgemeinen ist es wohl das solare Jahr, das deutlicher den großen menschlichen Rhythmus definiert. Dennoch sind die Mondmonate einfach wahrzunehmen und zu zählen.

An dieser Stelle könnte man noch ein paar andere Schönheiten einfügen. Dinge, wie z.B. Wochentage oder auch große Feste. Naturgebundene Feiern oder Ereignisse, die im Rhythmus wahrgenommen werden. Und es gäbe ja auch noch andere Planeten oder Sterne, deren Position ein Kalenderereignis bestimmen könnten.

Ich hoffe, das diese Herangehensweise die verschiedenen Kalender ein wenig erklären kann. Denn im Grunde enthalten sie fast alle irgend eins der aufgezählten Elemente. Und wer weiß, wohin sich unser Kalender entwickelt. Schließlich verändern sich unsere Umstände ebenfalls. Die Entfernungen schrumpfen und schon heute ist es teils mühselige Rechnerei, bei den Zeitzonen auf korrekte Vergleiche zu kommen.

Es gibt zwar eine Weltzeit, die julianische Zeit, nach der Astronomen und mehr noch unsere Computer rechnen. Weltweit gültig, millisekundengenau, nur leider strunzlangweilig. Eventuell setzt sich einmal ein hübscheres System durch, mit dem die meisten Menschen auf der Erde etwas anfangen können.

Oh je, und dann kommt irgendwann der Weltraum. Spock, welche Sternzeit haben wir … ?










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